Deutscher Gewerkschaftsbund

16.08.2011

Ressourceneffizienz in Betrieben

von: Prof. Dr. Anja Grothe, Dr. Jörg Longmuß und Anke Fröbel
licht

PNetzer / photocase.com

Die Verringerung des Verbrauchs der natürlichen Ressourcen und damit auch eine Verbesserung betrieblicher Ressourceneffizienz ist eine der großen Herausforderungen des 21. Jahrhunderts. Dementsprechend hat die Anzahl einschlägiger Initiativen auf politischer, wissenschaftlicher und betrieblicher Ebene in den letzten Jahren deutlich zugenommen.

Auch in den Gewerkschaften wird das Thema zunehmend aufgegriffen, da Ressourceneffizienz langfristig eine hohe Arbeitsplatzrelevanz haben wird. Der DGB und das DGB Bildungswerk untersuchten die praktische Relevanz und Wirkung des Themas mit dem Projekt KoReBB „Kooperationsprojekt Ressourceneffizienz für Betriebsräte und Beschäftigte“. In diesem Projekt wurden Beschäftigte und Betriebsräte mehr als zwei Jahre zu Ressourceneffizienz und ihrer betrieblicher Relevanz qualifiziert. SUSTAINUM unterstützte das Projekt seit Januar 2010 durch eine projektbegleitende Evaluierung. Besonders auf die kompetenzorientierte Evaluierung der Qualifizierungsmodule soll hier näher eingegangen werden.

Ausgangssituation

Im Rahmen seiner Umweltpolitik hat das Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit (BMU) 2007 das Ziel formuliert, bis zum Jahr 2020 den Ressourcenverbrauch zu halbieren und Deutschland zur ressourceneffizientesten Volkswirtschaft weltweit auszubauen.[1] In diesem Zusammenhang bezeichnet der Begriff „Ressourcen“ die „natürlichen Ressourcen": Boden (mit allen mineralischen Rohstoffen, fossilen Energieträgern etc.), Wasser und Luft, einschließlich der Biosphäre.

Im betrieblichen Kontext bedeutet eine Steigerung der Ressourceneffizienz:  das gleiche Produktionsergebnis bzw. die gleiche Dienstleistung mit weniger Naturverbrauch (Ressourcen) zu erbringen und so den Ressourcenverbrauch ohne Verlust an Wertschöpfung und Wohlstand einer Gesellschaft möglichst weitgehend zu senken. Dies betrifft den effizienten Einsatz von Materialien, Wasser und Energie ebenso wie  die sparsame Nutzung von Flächen.[2] 

Ressourceneffizienzsteigerungen sind einerseits wichtige Maßnahmen für den Umweltschutz und andererseits verbessern sie durch ihre Kostenreduzierungspotenziale und Innovationswirkungen die Wettbewerbsfähigkeit von Unternehmen. Ressourceneinsparungen sind ein Schlüssel zum nachhaltigen Wirtschaften. Über die Hälfte der Kosten im verarbeitenden Gewerbe entfallen auf Material, Energie und Rohstoffe, die Lohnkosten hingegen liegen unter 25 Prozent. Somit können erhebliche Spielräume für die effizientere Nutzung von Roh-, Hilfs- und Betriebsstoffen, Energie und Wasser vermutet werden, die es besonders unter Aspekten der Beschäftigungssicherheit auszuschöpfen gilt. [3]

Rolle der Gewerkschaften

Die Gewerkschaften, für die die Beschäftigungssicherung einen sehr hohen Stellenwert hat, sehen sich zunehmend mit dem Problem konfrontiert, dass Preissteigerungen bei Ressourcen häufig zum Abbau von Arbeitsplätzen führen. Eine Ressourcenwende kann qualitatives Wachstum, neue Arbeitsplätze und Geschäftsfelder schaffen und einen Beitrag zur Verringerung des Klimawandels leisten. Durch effizienten Ressourceneinsatz können Wachstums- und Beschäftigungsimpulse ausgelöst werden.[4] Hier gibt es für Gewerkschaften innerbetriebliche Potenziale zur Arbeitsplatzsicherung; sogar das Schaffen neuer Arbeitsplätze ist möglich.[5] Zusätzlich hat das Betriebsverfassungsgesetz den betrieblichen Umweltschutz stärker in den Fokus der Mitwirkungsrechte der Betriebsräte gestellt. Umweltschutz zählt zu den allgemeinen Aufgaben von Betriebsräten sowie zu den wirtschaftlichen Angelegenheiten, die der Wirtschaftsausschuss mit dem Unternehmer berät und über die er den Betriebsrat informiert. Umweltschutz kann auch in Betriebsvereinbarungen geregelt und als Thema auf Betriebsversammlungen diskutiert werden.[6]  

KoReBB

Ein wichtiger Ansatz, um Umweltschutz und Ressourceneffizienz in Unternehmen umsetzen zu können, ist eine Beteiligung der Beschäftigten und des Betriebsrates an der notwendigen wirtschaftlicheren Gestaltung von Arbeits- und Ablaufprozessen. Hier setzte das Projekt „KoReBB: Kooperationsprojekt Ressourceneffizienz für Betriebsräte und Beschäftigte“ des DGB Bundesvorstands und des DGB Bildungswerks an, das durch das Bundesumweltministerium von Mai 2008 bis April 2011 gefördert wurde.

Oberste Zielsetzung des Projektes war es, alle bestehenden Möglichkeiten und Spielräume zur effektiven Nutzung von Rohstoffen, Materialien und Energie auszuloten und zur Erhaltung von Arbeitsplätzen zu verwenden. Um das zu erreichen, wurden Beschäftigte und Betriebsräte durch Informationsveranstaltungen und Schulungen für das Thema Ressourceneffizienz sensibilisiert und als Multiplikatoren für eine betriebliche Umsetzung gewonnen. Informationsveranstaltungen und betriebsinterne als auch überbetriebliche Qualifizierungsmaßnahmen wurden hierzu vom DGB Bildungswerk durchgeführt. Im Vordergrund stand dabei der beteiligungsorientierte Ansatz, die Einbeziehung der Beschäftigten als Experten an ihrem Arbeitsplatz. Mit dieser Zielgruppe wurden Potentiale zur Senkung von Material- und Energiekosten anstatt der sonst häufig üblichen Personaleinsparungsmaßnahmen herausgearbeitet.

Kompetenzorientierte Qualifizierungsmodule

SUSTAINUM – Institut für zukunftsfähiges Wirtschaften Berlin[7] führte  –  gefördert durch die Hans-Böckler-Stiftung  – von Januar 2010 bis Mai 2011 die begleitende Evaluierung des Projektes KoReBB durch. Das Institut prüfte und unterstützte die Zielsetzungen und das Erreichen der geplanten Ergebnisse von KoReBB.

Ziel der Qualifizierungen im Projekt KoReBB war es, dass die Teilnehmenden nach den Weiterbildungsmaßnahmen Einsparungen von  Energie und Material selbstständig in ihren Betrieben umsetzen können. Um das zu erreichen, ist das Vermitteln reinen Fachwissens nicht ausreichend. Vielmehr müssen die Schulungsteilnehmenden Kompetenzen erwerben, die sie dazu befähigen, ressourceneffizient zu handeln. Kompetenzen werden als Voraussetzungen verstanden, selbstorganisiert in neuen und komplexen Situationen und angesichts neuer Herausforderungen handeln zu können. Kompetenzen sind nicht gleichzusetzen mit Fertigkeiten, Wissen und Qualifikationen, sondern schließen diese Elemente mit ein. Darüber hinaus umfassen Kompetenzen das Beachten von Regeln, Werten und Normen, wodurch Handlungsfähigkeit ermöglicht wird.[8]

Durch eine kompetenzorientierte Lernzielformulierung können Kompetenzen der Teilnehmenden in verschiedenen Abschnitten und Kontexten der beruflichen Qualifizierung gemessen werden, so dass eine spezifische und gezielte Weiterentwicklung möglich wird. Als Grundlage für die Auswahl der Kompetenzen nutzte SUSTAINUM das Kompetenzmessverfahren KODE®.[9] Festzustellen ist, dass die in den KoReBB-Modulen vermittelten Kompetenzen sich zum überwiegenden Teil aus Fachkompetenzen zusammensetzen. Der Erwerb von sozialen Kompetenzen wurde in den Schulungen nur wenig umgesetzt. Um als MultiplikatorIn im Betrieb erfolgreich zu sein und das Thema Ressourceneffizienz wirklich selbstorganisiert umsetzen zu können, benötigen Betriebsräte und Beschäftigte neben ihren Fachkompetenzen besonders aktivitäts- und handlungsorientierte, personale und sozial-kommunikative Kompetenzen, einschließlich der Verantwortungskompetenz.

Zusätzlich können aufgabenspezifische Anforderungsprofile erstellt werden, in denen die Kompetenzen festgehalten sind, die für bestimmte Aufgabenfelder erforderlich sind oder zukünftig sein werden. Diese sogenannte Soll-Profile können mit den Kompetenzprofilen verschiedener Personen verglichen werden, so dass diese arbeitsplatz- und aufgabenspezifisch weiter qualifiziert werden könnten.  Exemplarisch wurde mit den KoReBB-ProjektmitarbeiterInnen und dem Umweltarbeitskreis ein solches Anforderungsprofil mit dem KODEX-Verfahren für umweltaktive Betriebsräte erstellt. Die Teilnehmenden der einwöchigen Schulung „Umweltschutz und wirtschaftliche Angelegenheiten (UBW)“ bewerteten anhand des erstellten Soll-Profils „umweltaktiver Betriebsrat“ drei Monate nach der Weiterbildung mit dem KODE®X-Verfahren ihre Kompetenzen. Anhand der Differenz zwischen Ist- und Soll können nun weitere und darauf aufbauende Qualifizierungen für die Betriebsräte viel spezifischer ausgewählt werden, so dass sie gezielt zum Erreichen der Soll-Kompetenzen führen.

Fazit und Ausblick

Im Projekt KoReBB konnten erste Erfahrungen hinsichtlich kompetenzorientierter Qualifizierungsmodule von Betriebsräten in den Bereichen Energie- und Materialeffizienz gesammelt werden. Die Lernziele wurden in den Qualifizierungsmodulen kompetenzorientiert formuliert und die Methoden und Inhalte entsprechend ausgewählt. Vorteile der Kompetenzorientierung sind, dass die Lehrenden und Lernenden die erforderlichen Kompetenzen kennen und selbstorientiertes Handeln am Arbeitsplatz möglich wird, um Ressourceneffizienz umzusetzen. Außerdem kann somit der Kompetenzzuwachs nach der Durchführung der Weiterbildung gemessen werden. Die Förderung einer spezifischen Weiterentwicklung von notwendigen Kompetenzen kann gezielter und arbeitsplatzorientierter gefördert werden. Der Schwerpunkt in den Qualifizierungsmodulen von KoReBB lag überwiegend in der Vermittlung von Fachkompetenzen.

InteressenvertreterInnen und Beschäftigte  benötigen in ihrer Rolle als Multiplikatoren als „Ressourceneffizienzexperten“ jedoch  Aktivitäts- und Handlungskompetenzen sowie sozial-kommunikative und personale Kompetenzen. Es wäre wünschenswert, wenn die Erkenntnisse der Evaluierung in dem Aufbau der Qualifizierungsmodule genutzt werden. Zusätzlich ist anzuraten, dass kompetenzorientierte Sollprofile für spezifische (zukünftige) Aufgabenbereiche erstellt werden, um Qualifizierungen handlungsorientierter zu gestalten. Die prioritären Kompetenzen können nun in den Lernzielen von Qualifizierungen zum Umweltschutz beim DGB Bildungswerk als Grundlage genutzt werden. Das kann als Alleinstellungsmerkmal für diese Schulungen genutzt werden. Den Nutzen dieses Vorgehens auf die verbesserte  Ressourceneffizienz und die entsprechende Relevanz für Arbeitsplätze und die Umwelt sollten vertiefende Fallstudien überprüfen.

 

Prof. Dr. Anja Grothe ist Professorin für Nachhaltigkeitsmanagement an der Hochschule für Wirtschaft und Recht (HWR) in Berlin und Vorsitzende von SUSTAINUM e.V. - Institut für zukunftsfähiges Wirtschaften in Berlin. Ihre Schwerpunkte sind Umwelt- und Nachhaltigkeitsmanagement, Bewertung von Nachhaltigkeit, Kompetenzdiagnostik,- bewertung und -entwicklung, Interaktive Veranstaltungen, insbesondere Zukunftswerkstätten, sowie systemische Beratung, Coaching und Moderation. Sie leitete die Evaluation des KoReBB-Projekts.

Dr. Jörg Longmuß ist Vorstandsmitglied von SUSTAINUM e.V.. Seine Schwerpunkte sind Organisationsgestaltung und -entwicklung, Kommunikationsprozesse und Evaluierung. Dazu arbeitet er in Unternehmen genauso wie in Non-Profit-Organisationen und für Netzwerke. Er unterstütze die Evaluation im KoReBB-Projekt.

Anke Fröbel ist Mitarbeiterin bei SUSTAINUM e.V.. Ihre Schwerpunkte sind Kompetenzdiagnostik und -bewertung, Evaluation von Bildungsmaßnahmen, sowie die Durchführung von Qualifizierungen und Workshops in der Bildung für nachhaltige Entwicklung. Sie war verantwortlich für die Durchführung der Evaluation des KoReBB-Projekts.

 

Literaturverzeichnis

Bundesministerium der Justiz in Zusammenarbeit mit Juris GmbH: Betriebsverfassungsgesetz in der Fassung der Bekanntmachung vom 25. September 2001,  www.juris.de (25.05.2011)

Bundesumweltministerium (2011): Ressourceneffizienz,

http://www.bmu.de/wirtschaft_und_umwelt/ressourceneffizienz/allgemein/doc/39059.php (15.05.2011)

DGB Bildungswerk e. V. (2011):  Betriebsratsqualifizierung,

http://umwelt.betriebsratsqualifizierung.de/ (20.05.2011)

Erpenbeck, John; Rosenstiel, Lutz von (Hg.) (2007): Handbuch Kompetenzmessung. Erkennen, verstehen und bewerten von Kompetenzen in der betrieblichen, pädagogischen und psychologischen Praxis. 2. überarb. und erw. Aufl. Stuttgart: Schäffer-Poeschel.

Wuppertal Institut für Klima, Umwelt, Energie (2011): Netzwerk Ressourceneffizienz: http://www.netzwerk-ressourceneffizienz.de/to_know/kurz_amp_knapp/index.html (20.05.2011)

 


[1] Vgl. http://www.bmu.de/wirtschaft_und_umwelt/ressourceneffizienz/allgemein/doc/39059.php

[2] Vgl.: http://www.netzwerk-ressourceneffizienz.de/to_know/kurz_amp_knapp/index.html

[3] Vgl. http://www.bmu.de/wirtschaft_und_umwelt/ressourceneffizienz/allgemein/doc/39059.php

[4] Vgl. http://umwelt.betriebsratsqualifizierung.de/ (15.05.2011)

[5] Vgl. http://www.bmu.de/wirtschaft_und_umwelt/ressourceneffizienz/allgemein/doc/39059.php

[6] Vgl. Betriebsverfassungsgesetz vom 25. September 2001 .

[7] Die Institute IRIS – Institut für Ressourcenschonung, Innovation und Sustainability e.V. an der HWR Berlin und fhochx – Institut für zukunftsfähiges Wirtschaften haben im März 2010 fusioniert und heißen seit März 2011 SUSTAINUM. Projektleitung: Prof. Dr. Anja Grothe, Durchführung: Anke Fröbel und Mitarbeit: Dr. Jörg Longmuß.

[8] Vgl. Erpenbeck, von Rosenstiel (Hg.) 2007, S. XII.

[9] Prof. Dr Anja Grothe und Anke Fröbel sind lizensierte KODE® und KODE®X-TrainerInnen. Weitere Informationen zu den Verfahren finden sich auf http://www.competenzia.de.


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