Deutscher Gewerkschaftsbund

20.09.2013

MS Reichtum – weit weg von der Küste des Durchschnitts

Schiff

Axel Peter Pinkow

Die Ausstellung "MS Reichtum - mehr als Genug" entlässt den Besucher mit Nachdenklichkeit. Die Schau will nicht Bewunderung für reiche Menschen erzeugen, sondern die Folgen der wachsenden Ungleichheit in unserer Gesellschaft offenlegen. So gesehen ist die Ausstellung ein Meilenstein für ein Museum: Hier wird nicht konserviert, sondern es werden aktuelle gesellschaftliche Entwicklungen aufgezeigt.

Mit dem Reichtum ist das ja so eine Sache. Es gibt den Reichtum, der sich mit hohen Zäunen abgeschirmt vom Leben der normalen Bevölkerung abspielt. Und es gibt den Reichtum, der gerne zur Schau gestellt wird: zum Beispiel fallen einem im Urlaub am Mittelmeer die protzigen Yachten auf. Reichtum erzeugt Neid, Neugier und manchmal auch Zorn. Die Ausstellung „MS Reichtum – Mehr als Genug“ im Dresdner Hygiene-Museum bedient all das und lädt zu einem Rundgang in ein Kreuzfahrtschiff ein.

Nicht erst seit der legendären Titanic wurde und wird Luxus und Reichtum auf Kreuzfahrten ausgelebt. Der Boom der heutigen Kreuzfahrtindustrie zeigt, dass „Reichtum zeigen“ nicht mehr nur eine Sache von ganz wenigen ist, sondern dass viele sich den Schein von Reichtum gönnen wollen. Aber die Unterschiede zwischen Reichtum und scheinbarem Reichtum bleiben. Die Ausstellung zeigt es ganz zum Schluss auf drastische Art: in einer Kabine, in der man sich ducken muss und eine Packung Peanuts bewundert.

Facetten des Reichtums

Bis zu diesem Schlusspunkt erkundet man die verschiedenen Räume eines Kreuzfahrtschiffes – von der Kabine zum Galadinner, durch die Ladengalerie zum Sonnendeck, an der Kombüse und der Krankenstube vorbei zur schiffseigenen Kapelle und zum Shuffleboard-Deck. Dabei werden die Facetten des Reichtums aufgezeigt. Die goldene Uhr ohne Zeiger, weil dem Reichen keine Stunde schlägt. Oder goldene Pillen für einen goldigen Toilettengang und die verschiedenen Champagner-Flaschengrößen. Die weißen Bademäntel der Luxushotels, aber auch eine selbstbemalte Tasche a lá Louis Vuitton.

Die Stärke der Ausstellung ist, dass sie nicht davor zurückschreckt, Position zu beziehen. Persönlicher Wohlstand ist eine Folge von ungerechter Verteilung. Das wird gleich am Anfang klar gemacht, wenn die Größe der Zimmerschlüssel nach der Verteilung von Reichtum dargestellt wird. Oder wenn „kleine Fische“ im Pool des Sonnendecks schwimmen und zeigen, dass der Missbrauch von Hartz-IV-Leistungen jährlich den Bürger 0,73 € kostet, während Steuerhinterziehung jeden einzelnen Bürger im Jahr 1250 € kostet. Ein Bullauge öffnet die Aussicht auf ein überfülltes Flüchtlingsschiff vor Lampedusa. Und in der Kombüse gibt es den Blick auf den Überfluss in einem Teil der Welt und den Hunger im anderen Teil.

Gespräche auf dem Sonnendeck

Wohlstand ist Geld und Luxus. Aber was passiert, wenn man nur drei Dinge auf eine Insel mitnehmen kann? Eine Frage, die auf dem Sonnendeck gestellt wird. Die gekritzelten Antworten lassen ein bisschen Hoffnung aufkommen: nicht materielle Güter dominieren, sondern am häufigsten werden Familie, Ehepartner oder Freunde mitgenommen. Bücher sind auch noch wichtig. Aber manche brauchen eben auch einen Haarglätter oder eine Pinzette. Geld ist dagegen nicht so wichtig.

Das ist ganz anders, bei den Figuren, die der Schauspieler Martin Wuttke darstellt. Ob als Erbe, Schlagerstar, Rentner, Unternehmer oder Reinigungskraft philosophiert er über die Leiden oder die Erfüllung, die Reichtum bieten kann. Aber Glück oder Liebe, dass alles lässt sich nicht kaufen.

Die Ausstellung entlässt den Besucher mit Nachdenklichkeit. Die „MS Reichtum“ will nicht Bewunderung für reiche Menschen erzeugen, sondern die Folgen der wachsenden Ungleichheit in unserer Gesellschaft offenlegen. So gesehen ist die Ausstellung ein Meilenstein für ein Museum: Hier wird nicht konserviert, sondern es werden aktuelle gesellschaftliche Entwicklungen aufgezeigt. Und es werden Diskussionen angeregt. Was will man mehr von einer Ausstellung?

Sonderausstellung im

Deutschen Hygiene-Museum

Lingner Platz 1

01069 Dresden

vom 6. Juli bis 10. November 2013 (geöffnet Di. bis So. 10.00 bis 18.00 Uhr)

Eintritt: 7 Euro / 3 Euro

Infos unter: http://dhmd.de/index.php?id=2087


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Kurzprofil

Markus Schlimbach
Geboren 1965 in Karl-Marx-Stadt (Chemnitz)
Stellvertretender Vorsitzender des DGB Bezirks Sachsen
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