Deutscher Gewerkschaftsbund

07.11.2013

Die Geburt des Rundfunks

Frau mit Kopfhörer

Radiohören in den 20ern Splanemann/privates Archiv

Vor 90 Jahren, am 29. Oktober 1923, wurde der deutsche Unterhaltungsrundfunk in Berlin gestartet. Abends um 20.00 Uhr ging es auf Welle 400 los mit einer kurzen Ansage, dann folgte Klaviermusik mit Gesangbegleitung, Klarinetten und Violinen, alles live gespielt. Dazwischen einige Stücke, abgespielt von Schallplatten. Nach einer Stunde folgte die Nationalhymne ebenfalls von der Schallplatte, gespielt vom Infanterie-Regiment III/9. Damit war der erste Sendetag beendet und der Sender wurde wieder abgeschaltet.

Auch vor dem 29. Oktober gab es schon auf verschiedenen Frequenzen diverse Versuchssendungen mit Sprache und Musik. Aber ein regelmäßiges Rundfunkprogramm für die Allgemeinheit gab es noch nicht. Daher gilt der 29. Oktober 1923 als der offizielle Rundfunkstart in Deutschland.[1] In anderen Ländern war man zu diesem Zeitpunkt schon viel weiter, regelmäßige Programme gab es u.a. in England, den Niederlanden und Frankreich.

Das neue Massenmedium in falschen Händen

Mit dem Sendebeginn wurde – zumindest aus heutiger Sicht in Deutschland ein neues Medienzeitalter eingeleitet, das neben der kulturellen und politischen auch eine wichtige wirtschaftliche Bedeutung hatte. Der Rundfunk entwickelte sich schon bald zu einem Massenmedium, bereits 1925/26 gab es eine Million Hörerinnen und Hörer, Ende 1927 hatte sich die Zahl bereits verdoppelt. Diese Möglichkeiten machten sich bekanntlich knapp zehn Jahre nach dem Start des Rundfunks, sofort nach dem Zusammenbruch der Weimarer Republik, die Nationalsozialisten zunutze. Sie sorgten dafür, dass die Empfänger eine preiswerte und erschwingliche Massenware wurden. Das Konzept für den Volksempfänger VE 301 entwickelte die Berliner Firma Seibt, das Gerät wurde auf der Funkausstellung im August 1933 präsentiert. An dieser Stelle sei erwähnt, dass die Nazis die Empfangstechnik nicht neu erfanden. Auch die Bezeichnung „Volksempfänger“ stammt nicht von ihnen, denn der Name wurde bereits 1930 für ein anderes Gerät verwendet[2]. Die Sendeanstalten und damit auch die Programme wurden durch die Nationalsozialisten ab Februar 1933 radikal verändert und als Propagandainstrumente missbraucht. Zum Startzeitpunkt im Oktober 1923 war diese Entwicklung natürlich noch nicht absehbar.

Der neue Rundfunk hatte viele Kritiker, nicht wenige sahen in den Plänen, von nun ab ein regelmäßiges Radioprogramm auszusenden, einen unnötigen Luxus. Wieder andere befürchteten, dass der Rundfunk in falsche Hände geraten und als Waffe gegen die junge Republik verwendet werden könnte. Aus diesen Gründen waren die Politiker sehr zögerlich und vorsichtig bei der Einführung des Rundfunks. Es stand nie zur Debatte, die technischen Sendeeinrichtungen etwa von Privatfirmen betreiben zu lassen, obwohl die drei großen Funkfirmen jener Zeit – Telefunken, Lorenz und Huth – Interesse signalisierten. Als besonders abschreckend empfand man im Innen- und Postministerium die Entwicklung in Amerika, wo es zur damaligen Zeit keine Sende- bzw. Empfangsbeschränkungen gab und nahezu jeder Interessierte eine Sendestation errichten durfte. Das führte zu chaotischen Zuständen, die auch den Behördenfunk bedrohten. Zudem waren viele der deutschen Postleute und Politiker, die sich mit Funkfragen befassten, gar nicht daran interessiert, einen Rundfunk für jedermann auf die Beine zu stellen. In den Jahren 1921 bis 1923, als in anderen Ländern der Rundfunk bereits eingeführt war, diskutierten deutsche Politiker – wenn überhaupt –eher darüber, welche Möglichkeiten es gäbe, um die Wirtschaft per Funk aktuell mit Daten und Nachrichten zu versorgen. Ziel war die Verbesserung der deutschen Wettbewerbsfähigkeit. Seit Mai 1919 gab es den „Eildienst“, einen halb-offiziellen Wirtschaftsnachrichtendienst, der aus dem Auswärtigen Amt hervorgegangen war. Der Eildienst verbreitete seine Meldungen ab Juni 1920 regelmäßig und täglich mehrmals auch über Funk in Morsetelegraphie, wobei der starke Sender in Königs Wusterhausen genutzt wurde. Ab 1. September 1922 wurde der „Wirtschaftsrundspruch“ funktelefonisch gesendet, zwar codiert, aber als gesprochener Text. Das zentrale Büro des Eildienstes mit einem Sprecherraum befand sich in der Nähe des Berliner Bahnhofs Friedrichstraße. Von dort wurden die Informationen über eine Postleitung zum Sender in Königs Wusterhausen geschickt. Abonnenten des Eildienstes gab es im ganzen Reich, denn der Sender war deutschlandweit zu hören. Die Lizenzgebühren waren jedoch so hoch, dass sich Privatleute die Teilnahme am Wirtschaftsrundspruch nicht leisten konnten. Zu den Kunden gehörten zum Beispiel Handelsunternehmen und Banken. Der Eildienst betrieb zudem in ganz Deutschland Nebenstellen, von denen die Rundsprüche aufgenommen wurden, um per Boten oder Telefon weitere Nachrichtenkunden zu versorgen.

Voraussetzungen für die Funkindustrie werden geschaffen

Bevor der erste Rundfunksender seinen Betrieb aufnahm, gab es unterschiedliche Vorstellungen darüber, wie der Rundfunk funktionieren sollte und welche Gesellschaft den Programmbetrieb übernehmen sollte. Im Gespräch war unter anderem ein „Saalfunk“. Das Programm sollte über einen Großsender – zum Beispiel in Königs Wusterhausen – deutschlandweit abgestrahlt werden. In Sälen sollten Lautsprecher aufgestellt werden, um dem zahlenden Publikum den Rundfunk wie bei einer Theatervorstellung zu präsentieren. Die Umsetzung derartiger Pläne wäre technisch schwierig geworden, da weder die Übertragungsqualität ausreichte, noch leistungsfähige Großlautsprecher zur Verfügung standen. Auch die Funkindustrie war interessiert, Sender zu betreiben und zugleich ein Monopol zum Vertrieb der Empfangsgeräte zu erhalten. Den Zuschlag erhielt die „Deutsche Stunde“. Dieser Gesellschaft, Mitte 1922 gegründet, stand Ernst Ludwig Voss vor, der auch Chefredakteur des Eildienstes war. Die „Deutsche Stunde“ war zudem die Mutter aller Programmgesellschaften.[3] Es wurde politisch entschieden, das Programm nicht über einen zentralen Sender auszustrahlen, sondern über dezentrale Sender. Dazu wurden von der „Deutschen Stunde“ insgesamt neun regionale Programmgesellschaften gegründet.

Allerdings erhielt von Anfang an nicht nur eine Privatfirma alleine die Senderechte, sondern es war auch noch eine zweite Gesellschaft beteiligt, nämlich die regierungsnahe „Aktiengesellschaft für Buch und Presse“. Vereinfacht ausgedrückt, kann man sagen, dass die Deutsche Stunde für den unterhaltenden Teil zuständig war und Buch und Presse die politischen Nachrichten zuliefern sollte. Wobei anzumerken ist, dass es zu Beginn des Programms keine „Nachrichtensendungen“ im heutigen Sinne gegeben hat. Die Struktur des Programms und die rundfunktypischen Programmelemente wie Nachrichten mit Wetterbericht, Hörspiel, Kinderfunk, Schulfunk oder Sendespiel entwickelten sich erst im Lauf der Jahre. Auch gab es für viele Dinge noch nicht die heute üblichen Bezeichnungen. So wurden beispielsweise die Rundfunkbeiträge, Musik oder gesprochenes Wort, anfangs „Vorträge“ genannt, das Programm hieß „Vortragsfolge“.

Das Programm speiste sich aus Schallplattenmusik oder Live-Darbietungen. Andere „Konserven“ gab es noch nicht, Tonbandgeräte kamen erst Mitte der 30er Jahre auf. Daher sind – bis auf wenige Schallplattenaufnahmen aus der Zeit – kaum akustische Zeugnisse aus der Anfangszeit des Hörfunks überliefert. Beliebt und weit verbreitet war zum Beispiel in der Anfangszeit der belehrende Fach-„Vortrag“. Dazu wurden Experten (und auch einige, jedoch wenige Expertinnen) aller nur denkbaren Richtungen in das Funkhaus geladen, um über ein vorgegebenes Thema zu sprechen. „Politische Neutralität“ wurde dabei Groß geschrieben, wichtig war der kulturelle und bildungspolitische Anspruch.

Zeitschrift Funkstunde

Die Deutsche Stunde wurde 1924 in „Funk-Stunde“ umbenannt. Sie veröffentlichte eine eigene Programmzeitschrift. Splanemann/privates Archiv

Improvisierter Beginn im Voxhaus

Die Redaktionsräume des Berliner Senders und Räume, die man heute als „Studio“ bezeichnen würde, befanden sich ebenso wie die technischen Sendeeinrichtungen im „Voxhaus“, Potsdamer Straße Nr. 4. Der erste Sender, der sich unmittelbar neben dem „Studio“ befand, war ein Eigenbau der Post. Er wurde innerhalb von zwei Wochen mit Teilen aus Lagerbeständen schnell zusammengebaut.[4] Der Aufnahmeraum (das „Studio“) und der Senderaum waren in der ersten Zeit nur durch einen Vorhang voneinander getrennt und unter dem Dach im Voxhaus auf engstem Raum untergebracht. Als Mikrophon diente in der ersten Zeit eine Telephon-Sprechkapsel. Die Startbedingungen waren damit sehr einfach und improvisiert, erst nach und nach wurden die Einrichtungen verbessert und optimiert.

Am 18. Oktober 1923 war die Anlage sendefertig und die ersten Versuchssendungen konnten beginnen. Der Sender lieferte noch keine ausreichende Klangqualität und produzierte heftige Verzerrungen. Aufgrund der technischen Probleme wurde er nach wenigen Wochen im Dezember 1923 ersetzt. Die Antenne, mit der die Sendeenergie abgestrahlt wurde, war nicht besonders hoch auf dem Dach des Vox-Hauses und den Dächern der angrenzenden Gebäude montiert, so dass der Sender mit einer geringen Sendeleistung und der unzureichenden Antennenanlage zu diesem Zeitpunkt noch keine besondere funktechnische Reichweite erzielen konnte.

Um das neue Programm empfangen zu können, war zunächst eine von der Post ausgestellte Empfangsgenehmigung notwendig. Hierfür wurde eine Rundfunkgebühr erhoben, die nach der Inflation zwei Reichsmark pro Monat betrug. Das zum Empfang notwendige Radio musste ebenfalls offiziell zugelassen sein. Die Post, die die Sender betrieb, prüfte die Empfangs-Apparate, stempelte und verplombte sie, damit an den Empfängern keine technischen Manipulationen vorgenommen werden konnten. Es war auch zunächst verboten, andere als die voreingestellten Empfangsbereiche abzuhören. Somit war auch der Empfang mit selbstgebauten Apparaten zunächst illegal.

Der Start des neuen Mediums fand vermutlich vor nur wenigen Zuhörern statt. Im Oktober 1923 befand sich die Inflation auf ihrem Höhepunkt, und viele Menschen sorgten sich um das Überleben, „Radiohören“ war für die meisten reiner Luxus.

Radiohören anno 1923

Es gab auch schon 1923 Radioempfänger mit Röhren, aber das vermutlich am weitesten verbreitete Gerät dürfte der Detektorempfänger gewesen sein. Der Empfänger kommt ohne Stromversorgung aus, die Energie liefern die empfangenen Radiowellen. Er besteht im einfachsten Fall aus nur sehr wenigen Bauteilen, zu denen auf jeden Fall ein Spule und ein Drehkondensator zur Abstimmung gehören. Beide Bauteile bilden einen Schwingkreis, zudem wird noch ein Kristall, der „Detektor“ zur Gleichrichtung verwendet. Er steckte in einer Metallfassung und mit einer Metallnadel musste auf dem eingespannten Stückchen Pyrit oder Bleiglanz nach dem lautesten Empfang gesucht werden. Am Ausgang dieses Einfachstradios wurde ein Kopfhörer eingestöpselt. Außerdem benötigte das Radio eine möglichst gute Außenantenne und eine Erdung. Dann konnte man mit einigem Geschick und Glück bei der Abstimmung des Geräts in bescheidener Qualität dem Rundfunkprogramm lauschen. Die preiswerten Detektorradios waren übrigens auch noch nach dem 2. Weltkrieg verbreitet. Es gab im Laufe der Zeit zahlreiche Versuche, die Leistung des Detektorradios zu verbessern. Ein Röhrengerät hingegen eröffnete zwar mehr Empfangsmöglichkeiten und produzierte vor allem einen lauteren Empfang, aber der Aufwand dafür war enorm und teuer. Netzgeräte gab es 1923 noch nicht und so musste der Radioamateur zwei Batterie- bzw. Akkumulatorensätze bereithalten, um das Radio betreiben zu können, denn die energiedurstigen Röhren brauch(t)en eine Heizspannung von rund sechs Volt und eine rund zehnmal so hohe Anodenspannung.

Zum Start des Rundfunks gab es viel zu wenig Radioapparate auf dem Markt, die Industrie konnte die benötigten Empfänger zunächst nicht schnell genug liefern. Neben den wenigen, bis dahin lizensierten Hörern gab es auch damals schon Amateure, die über den technischen Sachverstand verfügten und ihre Radios selber bauten. Wie groß die Zahl der illegalen Schwarzhörer 1923 war, ist nicht abzuschätzen. Es ist jedoch bekannt, dass das Interesse an diesem neuen Hobby sehr groß war, denn auch schon vor dem Start des Rundfunks in Deutschland war im Äther einiges los. Nur Deutschland war zu diesem Zeitpunkt wahrlich nicht der Vorreiter in Sachen Rundfunk. Viele der europäischen Nachbarn waren schneller und betrieben bereits Stationen, die im Mittelwellenbereich sendeten und auch in Deutschland mit entsprechender Ausrüstung zu empfangen waren. Dazu kamen die amtlichen Aussendungen und Versuchssendungen, die es auch in Deutschland gab.

Die Reichspost und das Telegraphentechnische Reichsamt

Für Rundfunkfragen war damals die Reichspost mit dem Telegraphentechnischen Reichsamt zuständig. Für die Berliner Rundfunkgeschichte ist es von großer Bedeutung, dass in der Stadt die obersten Reichsbehörden ansässig waren. Daher wurde in Berlin technisch viel experimentiert. Die gesamte Funktechnik unterstand strengster behördlicher Aufsicht. Die Sender wurden, auch wenn sie von Privatfirmen gebaut wurden, ausschließlich von der Post betrieben. In der Anfangszeit des Radios war der weitaus größte Teil der Hersteller und Zulieferbetriebe in Berlin ansässig. Das hatte unter anderem auch damit zu tun, dass Berlin ein wichtiger Handwerks- und Industriestandort war. Die Elektroindustrie hatte hier einen besonders großen Stellenwert. Industrielle Schwergewichte wie AEG oder Siemens hatten in Berlin ihren Sitz. Mit dem ersten Weltkrieg und der Rüstungsproduktion erlebte die damals noch junge Funkindustrie eine erste Blüte. Firmen wie Telefunken, C. Lorenz oder Erich Huth waren führend bei der Ausstattung des Militärs und vor allem der Marine mit Funkanlagen. Diese drei Firmen waren es auch, denen eine entscheidende Rolle bei dem Aufbau des deutschen Unterhaltungsrundfunks zukam. Die Sender, Antennenanlagen und technisches Zubehör stammten aus ihren Werken, ebenso wie die Empfänger. Schon bald nach dem Start des Rundfunks in Berlin wurde auch in anderen Teilen des Reichs der Sendebetrieb aufgenommen. Das Sendernetz wurde von der Reichspost in Zusammenarbeit mit den bereits genannten drei Firmen Telefunken, Lorenz und Huth systematisch auf- und ausgebaut.

Funkturm

Der Berliner Funkturm Splanemann/privates Archiv

Wachsendes Interesse am Rundfunk

Das Interesse am Rundfunk wuchs, wenngleich der Start unter sehr schwierigen Bedingungen stattgefunden hat. Die technischen Verbesserungen und größere Reichweite der Sender waren wichtige Voraussetzungen. Aber auch der starke Ausbau des Programmangebots führte dazu, dass die Hörerschar ständig wuchs. Bereits ein Jahr nach dem Start des Rundfunks in Berlin fand hier vom 4. bis 14. Dezember 1924 die erste Große Deutsche Funkausstellung statt. Dazu war eine eigene Messehalle, die Straumersche Funkhalle, am heutigen Messedamm gebaut worden, praktisch auf der anderen Straßenseite vom heutigen ICC. Der Funkturm wurde später in den Jahren 1925/26 hinter der Halle errichtet. Er war ein weithin sichtbares Symbol der neuen Zeit. Professor Heinrich Straumer (1876 bis 1937) war der Architekt des Funkturms und der Funkhalle, die nunmehr als Veranstaltungs- und Ausstellungsort für die Funkindustrie diente, aber auch anderweitig genutzt wurde. Aus technischen und aus Kostengründen wurde die Halle aus Holz gebaut, was ihr 1935 zum Verhängnis wurde. Während der Funkausstellung am 19. August 1935 brannte die Halle ab, so dass heute auch dieses Gebäude nicht mehr erhalten ist. Das wachsende Interesse an den Ausstellungen führe dazu, dass die Ausstellungsfläche auch für die jährlich stattfindenden Funkausstellungen ständig erweitert wurde. Die erste Funkausstellung 1924 stand noch ganz im Zeichen des Experimentierens, das neue Medium wurde vor allem in technischer Hinsicht vorgestellt und erläutert. Über 170.000 Besucher kamen und staunten. Die Funkausstellungen wurden zu einem Schaufenster der Industrie und in Jahresschritten ließ sich der technische Fortschritt ablesen.

In Berlin sind die meisten Spuren des frühen Rundfunks verschwunden, fast alle großen Radiofirmen und Zulieferbetriebe, die damals in Berlin ansässig waren, sind verschwunden. Nur noch wenig erinnert an „Elektropolis“ und die wichtige Rolle, die die Funk- und Radioindustrie in Berlin einmal gespielt hat. Krieg, die Nachkriegszeit und der Bauboom der Nachwendezeit haben dafür gesorgt, dass viele der Produktionsstätten zerstört und abgerissen wurden. So ist zum Beispiel auch das Berliner Vox-Haus, aus dem heraus der Start des ersten regelmäßigen Rundfunkprogramms erfolgte, aus dem Stadtbild und dem Gedächtnis der Stadt verschwunden. Das kriegsbeschädigte Haus stand zu Zeiten des Mauerbaus und der Teilung der Stadt an einem toten Ende West-Berlins. Es wurde 1971 abgerissen. Nach dem Fall der Mauer entwickelte sich der Potsdamer Platz wieder zu einem belebten Zentrum Berlins, die Neubebauung begann. In diesem Zuge wurde die alte Potsdamer Straße, an der das Vox-Haus einmal gestanden hatte, verlegt. Es lässt sich heute nicht mehr genau sagen, wo sich die alte Adresse „Potsdamer Straße Nr. 4“ – das Vox-Haus – befunden hat.[5] Zu Recht wird beklagt, dass es weder eine Gedenktafel noch einen Hinweis auf dem Straßenschild der „Voxstraße“ gibt, dass hier am 29. Oktober 1923 um 8 Uhr abends der deutsche Unterhaltungs-Rundfunk gestartet wurde.


[2] So wurde der Empfänger EL 82der Firma Signalbau Huth als „Volksempfänger“ bezeichnet. So nachzulesen z.B: im Arlt-Radiokatalog von 1930, S. 15.

[3] Siehe dazu Winfried B. Lerg, Rundfunkpolitik in der Weimarer Republik (= Rundfunk in Deutschland, hrsg. von Hans Bausch, Bd. 1), München 1980.

[4] Friedrich Weichart, In 14 Tagen einen Sender für Berlin, Rundfunk-Jahrbuch 1930, S. 43; Hans Rindfleisch, Technik im Rundfunk, Norderstedt 1985.

[5] Rainer Steinführ hat den Versuch einer genauen Ortsbestimmung unternommen und das Ergebnis auf seiner Internetseite veröffentlicht: http://www.oldradioworld.de/voxd.htm


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Kurzprofil

Dr. Andreas Splanemann
Geboren 1959 in Berlin
Pressesprecher und Grundsatzreferent des ver.di-Landesbezirks Berlin-Brandenburg
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