Deutscher Gewerkschaftsbund

23.09.2014

Die Arbeitswelt im Wandel

DASA_Außenansicht

DASA

In der DASA Arbeitswelt Ausstellung in Dortmund können auf einer Fläche von zweieinhalb Fußballfeldern vielfältige Aspekte vergangener, gegenwärtiger und zukünftiger Arbeitswelten an zahlreichen Exponaten und mit vielen Experimentierstationen erkundet werden. Die DASA ist schon von ihrem Standort für eine Ausstellung rund um die Arbeitswelt geradezu prädestiniert. Sie liegt direkt am Ruhrschnellweg in unmittelbarer Nähe zu einer ganzen Reihe von Industriedenkmälern im Revier. Sie wurde 1993 als Deutsche Arbeitsschutzausstellung eröffnet und ist Teil der Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin. Die Ausstellung lenkt den Blick auf die Arbeitsumgebungen der Menschen und thematisiert die Belastungen, denen sie ausgesetzt sind. Mit dieser Ausrichtung knüpft sie an eine über 100jährige Ausstellungstradition zum Thema Arbeitsschutz an. Bereits im Juni 1903 eröffnete in Berlin-Charlottenburg die „Ständige Ausstellung für Arbeiterwohlfahrt und Unfallschutz“, mit der das Thema Sicherheit und Gesundheitsschutz am Arbeitsplatz mit großem Erfolg in der Öffentlichkeit platziert werden konnte.

Mit der Dortmunder Ausstellung sollen die Besucherinnen und Besucher für konkrete Gefahren und Belastungen am Arbeitsplatz sensibilisiert und mit praxisnahen Lösungen für ein besseres Arbeiten konfrontiert werden. Zu den körperlichen Belastungen zählen Lärm, Hitze und Staub, aber auch psychische Stressfaktoren. Diese auf den eigentlichen Arbeitsschutz gerichtete Fokussierung der Schau ist in den letzten Jahren zu Gunsten einer breiteren Perspektive erweitert worden. Jetzt stehen die Auswirkungen der Arbeitswelt nicht mehr allein unter dem Gesichtspunkt ihrer belastenden Aspekte im Mittelpunkt. Geblieben ist jedoch der konkrete Blick auf den Menschen.

Die Ausstellungseinheiten

Das weitläufige Ausstellungsgelände umfasst die folgenden thematischen Stationen: Der Eingangsbereich führt in die Welt der Arbeit ein und thematisiert grundlegende Begriffe und Rahmenbedingungen des Arbeitsschutzes. Daran anschließend beschäftigen sich die Ausstellungseinheiten mit so unterschiedlichen Gebieten des Arbeitslebens wie Bildschirmarbeit und der klassischen Fabrikarbeit in der Textilindustrie. Aber auch mit der Arbeit im Hoch- und Tiefbau, der Eisen- und Stahlindustrie, im Transportwesen, in der Energiewirtschaft und in den Heil- und Pflegeberufen. Ein eigener Ausstellungsbereich ist den Gefahrstoffen am Arbeitsplatz und damit dem klassischen Aktionsfeld des Arbeitsschutzes gewidmet. Eine weitere Einheit beschäftigt sich mit dem Kampf für eine bessere Arbeitswelt und der Rolle der Gewerkschaften, was allerdings noch etwas stiefmütterlich daher kommt. Noch im Aufbau befindet sich die Ausstellungseinheit über die Arbeitswelt von morgen, in dem die DASA die Chancen und Risiken künftiger Arbeitsgestaltung im Spannungsfeld digitaler Fremd- und Selbstbestimmung zu präsentieren plant. Einen Kontrapunkt setzt schließlich die als „Lebensraum Arbeitswelt“ betitelte Ausstellungseinheit. Ein botanischer Garten voller Farne zeigt den Menschen als Teil der Natur. Stationen zum Ausprobieren und Mitmachen rücken das Individuum und seine Sinne und Potentiale in den Mittelpunkt – an den Menschen, so die Botschaft der Ausstellungsmacher, sollten Technik und Arbeitswelt angepasst sein und nicht umgekehrt.

DASA Energiehalle

DASA

Die Belastungen der Arbeitswelt hautnah erleben

Eines der Hauptanliegen der Ausstellungsmacher ist es, die mit den verschiedenen Arbeitswelten verbundenen Belastungen dem Besucher erfahrbar zu machen. Man kann sich in einen Lärmtunnel begeben und erfahren, wie stressig Industriegeräusche etwa für Stahlarbeiter sind. Welche Gefahren im Transportwesen und in der Logistik lauern, wird durch verschiedene Simulationen verdeutlicht, zum Beispiel mit der Fahrt durch ein Warenlager, in dem Regale umkippen und sich Stolperfallen befinden. In der Leitwarte des VEW-Kraftwerks „Westfalen“ lässt sich ein Störfall im Jahr 1969 nachempfinden, einerseits ist die schnelle Reaktion gefordert und andererseits spürt man, wie sich das monotone Warten an den Überwachungsschirmen auf die Psyche der Beschäftigten auswirkt.

Ein besonderes Erlebnis bietet die Einfahrt „unter Tage“, hier ist eine komplette Tunnelbaustelle nachgebaut. Welchen seelischen und körperlichen Belastungen gerade die Beschäftigten in den Pflegeberufen ausgesetzt sind und wie sich die Arbeit für das Pflegepersonal erleichtern ließe, erfährt das Publikum ebenfalls. Zugleich eröffnet die DASA den Besuchern die Möglichkeit, die eigene Gesundheit zu testen und den Zustand der eigenen Rückenmuskulatur, der Sehschärfe oder des Herzrhythmus zu ermitteln.

Ob Industrieroboter, Elektronenmikroskop, Tunnelbaustelle, Flugsimulator, Gabelstapler, Webstuhl, Dampfmaschine oder Tiefbauschacht: Viele der Exponate können in ihrer Funktion besichtigt, begangen, benutzt oder selbst ausprobiert werden. Um in den Genuss einer fachgerechten Vorführung zu kommen, empfiehlt es sich dabei in den verschiedenen Bereichen an die jeweiligen Mitarbeiter zu wenden, durch deren Informationen oft die eigentlichen Intentionen für den Arbeitsschutz deutlich werden und letztlich die Präsentationsphilosophie der DASA erkenntlich wird. Die Texte zu den einzelnen Exponaten sind hingegen eher minimalistisch gehalten und nicht selten überarbeitungsbedürftig. Hier rächt es sich, dass auch die DASA, wie viele öffentliche Kultureinrichtungen, finanziell an der kurzen Leine gehalten wird.

Insgesamt jedoch stellt sich die DASA-Schau als facettenreiche Fundgrube zu den verschiedensten Aspekten der Arbeitswelt dar, die nicht nur Erwachsene, sondern gerade auch Jugendliche und Kinder anspricht. Ein Besuch lohnt sich allemal. Orientierungsschwache Zeitgenossen wie der Autor sollten sich vorab mit den örtlichen Gegebenheiten vertraut machen.

Öffnungszeiten:

Dienstag bis Freitag
9:00 - 17:00 Uhr
Samstag und Sonntag
10:00 - 18:00 Uhr

Eintritt:

Erwachsene 5,- EUR

Ermäßigt 3,- EUR
Familien 10,- EUR
Kinder bis einschl. 5. Lebensjahr frei

http://www.dasa-dortmund.de/startseite/


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Kurzprofil

Dr. Rainer Fattmann
Historiker und selbständiger wissenschaftlicher Publizist.
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