Deutscher Gewerkschaftsbund

01.12.2017

Yoga für die SPD

Die Sozialdemokraten müssen sich jetzt erst einmal erden, bevor zu ihrer schwierigsten Übung schreiten: sondieren und verhandeln für eine Große Koalition. Sie brauchen dafür ein Projekt - und eigentlich haben sie es auch. Jetzt fehlt ihnen nur noch etwas Mut.

 

Kommentar von Daniel Haufler

Karikatur von Frank-Walter Steinmeier, der im Bundespräsidialamt Horst Seehofer, Angela Merkel und Martin Schulz gegenüber sitzt. Die drei sind von hinten zu sehen.

Deutschlands Hoffnungsträger beim Bundespräsidenten DGB/Heiko Sakurai

Das Wort Yoga stammt aus dem Sanskrit und ist mit dem deutschen Wort „Joch“ verwandt. Sinngemäß bedeutet es „vereinen“. Yoga ist die Vereinigung von Geist, Körper und Seele. Das Joch Große Koalition hingegen die Vereinigung von CDU, CSU und SPD. Das klingt nicht so schön und ist bei dem Beteiligten daher nicht so richtig beliebt. Sie sollten es jedoch positiv sehen. Dann können die im Joch vereinten das erreichen, was auch Yoga bewirken soll: ein längeres Leben und die Selbstverwirklichung des Menschen.

Na gut, diese Errungenschaften kann man gerade nicht mit Angela Merkel, Horst Seehofer und Martin Schulz verbinden. Ein paar Yoga-Übungen würden ihnen also in jedem Fall gut tun, um mit guter Atemtechnik, Balance und Ausdauer in die Sondierungen für Koalitionsverhandlungen für eine weitere große Koalition zu gehen. Vorher müssen sie nur noch einen schwierigen Parteitag überleben (SPD), einen Machtkampf vor und auf einem Parteitag (CSU) und, na ja, ein paar mäklige Konservative (CDU).

Für die SPD geht es um mehr als Macht

Vor allem die SPD muss in den kommenden Tagen nachdenken, wie sie die politische Verantwortung für das Land übernehmen kann, ohne ihre Identität und Glaubwürdigkeit zu verlieren. Für die Unionsparteien geht es vor allem um eins: an der Macht zu bleiben. Der Rest findet sich dann schon, zumal in einer Zeit der wirtschaftlichen Stabilität. Für die SPD geht es um weit mehr. Sie wollte genau diese Koalition nicht mehr, vor der Wahl nicht und danach erst recht nicht. Wenn sie sich jetzt aber verweigert, könnte ihr das womöglich noch mehr schaden als eine neuerliche Große Koalition.

Also sammelt sie Ideen, die eine Regierungsbeteiligung rechtfertigen – an eine Duldung einer Minderheitsregierung glaubt ernsthaft niemand innerhalb der Berliner Bannmeile. Und an guten Ideen fehlt es nicht: Zu allererst ist da die Bürgerversicherung. Sie ist bei der großen Mehrheit der Deutschen beliebt und lässt sich gut in eine Formel packen – Ende der Zwei-Klassen-Medizin. Ausnahmen wird es zwar immer noch geben, doch im Wesentlichen stimmt das. Etwas Besseres kann eine sozialdemokratische Partei nicht erreichen. Und etwas Besseres als Grund für eine Koalition mit der Union wird sie nicht finden.

Sollten CDU und CSU dieses Projekt verhindern, hat die SPD einen schlagenden Grund kein Bündnis mit ihnen einzugehen und für Neuwahlen im nächsten Jahr eine solide Basis geschaffen. Dann braucht sie nur noch eineN guteN SpitzenkandidatIn. Sollte der Einstieg in die Bürgerversicherung gelingen, muss die SPD jedoch auch regieren, um das Projekt mit einem eigenen Gesundheitsminister umzusetzen. Vielleicht leisten sich dann auch noch mehr Menschen regelmäßig Yoga, um für alle schwierigen Lebenslagen die nötige Ruhe und Kraft zu finden. Am besten fangen sie mit Tadasana an, der Berghaltung, denn sie erdet.


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Kurzprofil

Daniel Haufler
Daniel Haufler ist seit Mai verantwortlicher Redakteur für das Online-Debattenmagazin Gegenblende.
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