Deutscher Gewerkschaftsbund

12.01.2018

Hände weg von der Kryptowährung!

Bitcoins sind als Zahlungsmittel kaum zu gebrauchen. Und jede Transaktion mit ihnen kostet zudem noch Unmengen Strom. Dennoch ist ihr Kurs in den vergangenen Monaten geradezu explodiert. Nur: Die Bitcoin-Blase wird wie jede andere Spekulationsblase irgendwann platzen.

 

Kommentar von Ulrike Herrmann

 Verbotsschild mit der Aufschrift Bitcoin

DGB/Colourbox.de

Soll man nicht vielleicht doch Bitcoins kaufen?! Diese Frage stellen sich inzwischen sogar Kleinanleger, seitdem der Kurs durch die Decke rauscht. Am Dienstag kostete ein Bitcoin über 14.803 Dollar, kürzlich waren es sogar noch 18.851 Dollar. Seit Jahresanfang 2017 hat sich der Wert eines einzigen Bitcoins um über 2.200 Prozent gesteigert. So etwas gab es noch nie. Wie der Name Bitcoin schon sagt, soll es sich um digitales Geld handeln. 2008 wurde es von einem Anonymus (oder mehreren Unbekannten?) erfunden, der sich das Pseudonym Satoshi Nakamoto zugelegt hat. Wer sich dahinter verbirgt, konnte bis heute nicht geklärt werden.

Bitcoins versprechen eine schöne neue Welt: Fans schwärmen, dass es eine "demokratische Währung" sei, die nur ihren Nutzern gehören würde. Nicht mehr der Staat oder die Banken würden das Geld kontrollieren – sondern gleichberechtigte Bürger an ihren Computern. Bitcoins werden nämlich "geschürft", indem Rechner komplizierte Algorithmen lösen. Die ersten Bitcoins konnten noch zu Hause auf normalen Computern produziert werden, doch inzwischen sind die Rechenaufgaben so schwierig, dass riesige Computer und ebenso riesige Energiemengen erforderlich sind.

Bitcoins sind gar kein Geld

Etwa 16 Millionen Bitcoins wurden bisher erzeugt, und die Software ist so gestaltet, dass maximal 21 Millionen Bitcoins entstehen können. Bitcoin-Fans glauben, dies würde ihre digitale Währung sicherer machen. Tatsächlich folgt aus dieser absoluten Obergrenze, dass Bitcoins gar kein Geld sind. Zum Wesen des Geldes gehört, dass es sich der Nachfrage anpassen und bei Bedarf expandieren kann. Wenn die Wirtschaft wächst, dann nimmt auch die umlaufende Geldmenge zu. Deswegen steigt der Kurs des Geldes auch nie, wie es jetzt die Bitcoins tun. Vom Euro hat man noch nicht gehört, dass er plötzlich pro Stück 20.000 Dollar wert wäre.

Symbolabbildung mit Kreisen um die Welt, die Computer vernetzen.

Eine Zukunftstechnik oder doch nur eine energiefressende Illusion? DGB/aimiage/123rf.com

Die Bitcoin-Gemeinde macht einen typischen Denkfehler: Sie glaubt, dass Geld nur ein Zahlungsmittel sei. Doch echtes Geld ist viel mehr. Es finanziert das Wachstum, indem Kredite vergeben werden. Über den Zusammenhang von Schulden und Geld haben die Bitcoin-Fetischisten aber noch nie nachgedacht. Hinzu kommt: Selbst als Zahlungsmittel funktioniert Bitcoin ironischerweise nicht. Transaktionen sind zu langsam und zu teuer. Jede einzelne Überweisung verschlingt so viel Energie, wie acht US-Haushalte an einem Tag verbrauchen.

Objektiv haben Bitcoins keinen Wert

Dieser Energieaufwand ist nötig, weil die Bitcoins mit der Blockchain-Technologie operieren. Da es keinen Staat und keine Zentralbank gibt, lässt sich Sicherheit nur garantieren, indem man alle Buchungsvorgänge für immer speichert – und zwar dezentral auf vielen Computern. Erst diese vielen Kopien sorgen dafür, dass das System fälschungssicher ist. Der Nachteil: Jede einzelne Überweisung löst eine gigantische Datenwelle aus, die viel Energie und Speicherplatz frisst.

Objektiv haben Bitcoins also keinen Wert. Selbst als Zahlungsmittel taugen sie nur eingeschränkt. Wieso sind dennoch Anleger bereit, 20.000 Dollar für eine virtuelle Münze zu bezahlen, die nur auf diversen Computern existiert?

Zwei mit Kabeln verbundene Computer

Mit dieser technischen Ausstattung kann man schon längst keine Bitcoin mehr schürfen. DGB/vmax 137/Flickr/CC BY-NC-ND 2.0

So abwegig es von außen wirkt: Für den einzelnen Spekulanten kann es rational sein, der Herde zu folgen. Wenn alle Anleger glauben, dass die Bitcoin-Preise steigen und deswegen die digitale Währung kaufen – dann legen die Kurse automatisch zu. Eine Prophezeiung erfüllt sich selbst.

Bisher war es allerdings ziemlich mühsam, mit Bitcoins zu spekulieren, weil man die digitalen Münzen tatsächlich erwerben musste. Doch auch diese Last sind die Bitcoin-­Anleger jetzt los: Die US-Aufsichts­behörden haben vor Kurzem Bitcoin-Derivate zugelassen. Jetzt kann man also Wettgeschäfte auf den Bitcoin-Kurs abschließen, ohne dass man die digitale Währung noch besitzen müsste. Seitdem hat der Bitcoin-Wahnsinn die Meta-Stufe erreicht: Virtuell lässt sich mit einer virtuellen Währung spekulieren. Prompt ging der Bitcoin-Kurs durch die Decke.

Wie jede Finanzblase wird auch der Bitcoin-Hype platzen; fragt sich nur, wann. Die Verlierer sind dann jene, die als Letzte kamen. Also: bloß keine Bitcoins kaufen!


Nach oben

Kurzprofil

Ulrike Herrmann
ist Wirtschafts­korrespondentin der "tageszeitung" (taz). Sie ist ausgebildete Bankkkauffrau und hat Geschichte und Philosophie an der FU Berlin studiert. Zuletzt erschien ihr Buch "Kein Kapitalismus ist auch keine Lösung. Was wir von Smith, Marx und Keynes lernen können".
» Zum Kurzprofil

Gewerkschaftlicher Infoservice

Der einblick infoservice liefert jede Woche aktuelle News und Fakten aus DGB und Gewerkschaften.

Zur Webseite www.dgb.de/einblick

@GEGENBLENDE auf Twitter

Zuletzt besuchte Seiten