Deutscher Gewerkschaftsbund

20.10.2011

Netzwerke der Mitbestimmung – Netzwerke der Gewerkschaftspolitik

von Peter Jansen und Lukas Kleff

Der Begriff des Netzwerks hat Hochkonjunktur. In vielen gesellschaftlichen und ökonomischen Kreisen wird Netzwerkarbeit großgeschrieben. Ob gemeinnützige Organisationen, Interessengruppen, Arbeitgeber oder die persönliche Suche nach dem passenden Arbeitsplatz – bei allen und allem gewinnt die Netzwerkarbeit zunehmend an Bedeutung.

Das gilt auch für die Arbeit von Akteuren und Organisationen auf dem Feld der Arbeitnehmervertretung. Um Netzwerkbildung und -entwicklung auch in diesem Bereich zu stärken, wurde unter Beteiligung von Vertretern aus Politik, Verbänden, Betrieben und Gewerkschaften in der Region um Dresden eine Schnittstelle für den Austausch von Betriebsräten und Gewerkschaften geschaffen. Mit Hilfe von EU-Fördermitteln wurde das branchen- und gewerkschaftsübergreifende Betriebs- und Personalräte-Netzwerk „Canaletto“ initiiert. Ziel war es, vor allem das Innovationspotential der Betriebs- und Personalräte zu nutzen, Konflikt-, Kooperations-, und Kommunikationsfähigkeiten der arbeitsorientierten Akteure zu schulen.

Eine weitere zentrale Zielstellung bestand in der Stärkung des Einflusses der Betriebs- und Personalräte sowie Gewerkschaften über ihre unmittelbaren betrieblichen Mitbestimmungsprozesse hinaus. Denn die betrieblichen Interessenvertreter werden im gesellschaftspolitischen Diskurs Ostdeutschlands eher weniger wahrgenommen und erfahren kaum Wertschätzung. Auf strukturpolitische Entscheidungen können sie deswegen auch nur geringen Einfluss nehmen. Die Akteure der betrieblichen Mitbestimmung und die Gewerkschaften müssen sich jedoch in wichtige Fragen der gesellschaftlichen Gestaltung, der Gesetzgebung und der politischen Rahmenbedingungen einmischen. Andernfalls werden sie verstärkt als überflüssig erachtet und verlieren auch ihre unmittelbare betriebliche Gestaltungsmacht.

Der vorliegende Sammelband erörtert neben theoriegeleiteten Überlegungen im Bereich der Netzwerkforschung, welche sich in den Vorüberlegungen zum ‚Canaletto‘-Projekt niederschlugen, auch Rahmenbedingungen für die Initiierung sowie die praktische Umsetzung des Projektes. Gegenstand der Publikation ist somit nicht ausschließlich die Arbeit des Netzwerks Canaletto, sondern auch die Voraussetzungen und Notwendigkeiten für den Aufbau von Netzwerken Zu diesem Zweck werden neben Netzwerkkonzepten auch die alltägliche Aufbauarbeit von Netzwerkkontakten, die Schaffung gemeinsamer Schnittstellen und die Öffentlichkeitsarbeit explizit beschrieben und anhand einer Vielzahl von Beispielen erläutert.

Es werden verschiedene gesellschaftspolitische Netzwerkinitiativen sowie Branchen- und Innovationsnetzwerke durch aktiv beteiligte Personen vorgestellt. Auch die europäische Ebene wird nicht außer Acht gelassen, da auch auf Beispiele für europäische arbeitsorientierte Wissens- und Expertennetzwerke und Europäische Betriebsräte eingegangen wird. Die einzelnen Beiträge wurden dabei in vielen Fällen von Betriebsräten für Betriebsräte verfasst, wodurch der Bezug zur Mitbestimmung immer gewährleistet ist.

Der mit vielen Illustrationen sehr anschaulich gestaltete Sammelband bietet dadurch sowohl fachnahen als auch fachfremden Lesern einen stets nachvollziehbaren Überblick über Theorien, Zusammenhänge und operative Maßnahmen, die für mitbestimmte Netzwerke relevant sind. Dank der vielen Beispiele werden dem Leser Quellen aufgezeigt, mit deren Hilfe netzwerkimmanente und arbeitspolitische Themenfelder bei Bedarf weiter vertieft werden können. „Netzwerke der Mitbestimmung - Beteiligung jenseits der Alltagsnorm“ ist daher allen Initiativen zu empfehlen welche an der Vernetzung von Mitbestimmungsträgern beteiligt sind und deren Einfluss in gesellschaftlichen Fragen, z.B. auf dem Gebiet der Arbeitsmarktpolitik oder Industriepolitik, stärken wollen.

 

Hrsg.: Ralf Hron, Ilko Keßler, Klaus Kost, Reinhard Röhrig, Das Betriebs- und Personalrätenetzwerk „Canaletto“ und die Notwendigkeit und Umsetzung mitbestimmter Netzwerke, Marburg: Schüren Verlag, 2011


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