Deutscher Gewerkschaftsbund

03.02.2014

Filme ab: Die Berlinale 2014

Der große GEGENBLENDE-Report

Filmplakat

Jürgen Kiontke

Jetzt haben wir schon die 64. Berliner Filmfestspiele - oder wie sich die „taz“ so lustig vertippte: die „664.“ Tja, manchmal fühlt sich das so an…

Nun, auch dieses Jahr stehen im Mittelpunkt, wie könnte es anders sein: Filme! 409 davon - in 959 Aufführungen - sind vom 6. bis zum 16. Februar 2014 im Berlinale-Palast am Potsdamer Platz und in anderen Kinos zu sehen. 72 Länder sind beteiligt. Die ganze Stadt ist im Filmfieber. Und sogar der legendäre Zoo-Palast ist wieder für die Berlinale geöffnet, schließlich fand sie dort früher statt. Nach geschätzten zehn Jahren Restaurierung ist das Westberliner Vorzeigekino wieder am Start.

20 Filme gehen im Wettbewerb auf die Jagd nach den begehrten Bärenpreisen. Ein Erfolgsgarant ist die drollige Bärenfigur nicht mehr so ganz. Manche Filme, die preisgekrönt wurden, kamen erst Jahre später in die Kinos. Und richtig Pech hat Nazif Mujic mit dem Silbernen Bären als Darstellerpreis, den er im letzten Jahr für den Reality-Fiction-Streifen „Aus dem Leben eines Schrottsammlers“ bekam. Mujic erzählt, dass er nun in Bosnien für einen Promi gehalten wird. Aber Schrottsammeln ist nicht mehr, jetzt fehlt ihm jegliches Einkommen. Zurzeit ist er in Deutschland, soll aber ausgewiesen werden. Die Berlinale hat nun einen Anwalt in die Spur geschickt. Mujic sagt: „Ich gebe den Bären zurück, wenn wir dafür bleiben dürfen.“

Dass der Bär sich künftig nicht generell als Bürde entpuppt, hofft James Schamus. Der „Brokeback Mountain“-Produzent ist der Präsident der diesjährigen Internationalen Jury, die die Preise vergibt. Mit an Bord ist auch Vorabendserien-Star Christoph Waltz („Inglourious Bastards“), der mit Quentin Tarantino ja eine so rasante Karriere in Hollywood hingelegt hat.

Neben dem Wettbewerb gibt es weitere Sektionen. Wie jedes Jahr hat GEGENBLENDE sie alle gescannt und präsentiert eine Auswahl an Filmen, die für Gewerkschafterinnen und Gewerkschafter interessant sind: weil sie prekäre Lebensbedingungen anprangern, von politischen Missständen berichten und vom Kampf um bessere Verhältnisse erzählen. Oder weil man sie gesehen haben muss, um mitzureden!

 

Der Wettbewerb

Der Wettbewerb ist der Rolls Royce unter den Festivalsparten der Berlinale. Hier gibt’s die Bären. 23 Filme sind es insgesamt; 20 Filme konkurrieren um die Trophäen. Sie bringen eine ansehnliche Schar von Prominenten in die Stadt: George Clooney, Jude Law, Tilda Swinton - sie zeigen ihre Filme, lassen sich knipsen und gehen anschließend eine Currywurst essen. Herzlich Willkommen im Berlinale-Schmuddelwetter!

Ein Wettbewerbsticket kostet dieses Jahr 13 Euro (Wiederholungen zehn Euro). Karten gibt es online und am zentralen Ticket-Schalter in den Arkaden am Potsdamer Platz.

GEGENBLENDE empfiehlt:

`71

Im Jahr 1971 tobte in Nordirland ein unbarmherziger Konflikt. Regisseur Yann Demange entlarvt die Sinnlosigkeit dieses Krieges, in dem jeder Akt der Gewalt neue Gewalt hervorruft. Er schuf ein existentialistisches Nachtstück über verdeckte Identitäten, schleichende Paranoia und über Menschen, die gezwungen sind, Stellung zu beziehen. Dabei löst sich der Film zunehmend vom Konkreten und wird zur universalen Antikriegs-Parabel.

GB 2014, Regie: Yann Demange

Historia del miedo

Ein Polizeihubschrauber kreist über der Reichensiedlung am Rande einer Großstadt. Irgendetwas muss vorgefallen sein. Schon die erste Einstellung erzählt von der Paranoia, die sich wie ein dunkler Schatten über dieses Regiedebüt legt: Es geht um die Angst einer gesellschaftlichen Klasse, die sich immer mehr abschottet. Ein Loch im Zaun stellt für sie bereits eine lebensgefährliche Bedrohung dar… Ein Film über Verunsicherungen und gesellschaftlichen Zerfall angesichts von Wirtschaftskrisen.

Argentinien u.a., 2014. Regie: Benjamin Naishtat

Jack

Prekarität fängt früh an! Jack ist zehn Jahre alt und leitet die Familie. Die Mutter arbeitet tagsüber und geht abends oft aus. Alsbald stecken die Behörden den Jungen ins betreute Wohnen. Mit seinem Bruder gelingt ihm die Flucht. Ein Panoramablick auf Berlin durch die Augen armer Kinder.

D 2014, Regie: Edward Berger

Macondo

Eingeklemmt zwischen Flughafengelände, Autobahn und Donauufer hat sich im Wiener Stadtbezirk Simmering hinter Wellblech- und Kasernenmauern eine eigene kleine Welt entwickelt: Macondo, eine Flüchtlingssiedlung, in der rund 3000 Asylsuchende aus 22 Ländern untergebracht sind. Einer von ihnen ist der elfjährige Ramasan. Gemeinsam mit seiner Mutter und den beiden jüngeren Schwestern ist er aus Tschetschenien hierhergekommen. Auch dieser Film erzählt aus der Perspektive eines Jungen ohne „normale“ Kindheit.

A 2013, Regie: Sudabeh Mortezai

Nymphomaniac

Lust, Schmerz, Verzweiflung - existenzielle Gefühle stehen im Mittelpunkt des diesjährigen Berlinale Reißers, der außer jeglicher Konkurrenz antritt. Lars von Trier hat keine Mühe gescheut, nackte Promis vor die Linse zu bekommen. Das Ergebnis ist eine sexsüchtige Charlotte Gainsbourg, die einem alternden Junggesellen ihre erotischen Streifzüge schildert. Au Backe, ich glaube, es sind sieben Teile geplant. Hier gibt’s schon mal den ersten. Hierfür Karten zu bestellen ist hoffnungslos, würde ich sagen. Aber ab 20. Februar läuft die jugendfreie Version in den Kinos. Aha.

DK 2013 u.a., Regie: Lars von Trier

The Monument Men

Zurück zum Alltag: Ebenfalls konkurrenzlos ist George Clooneys Film. Sein Thema ist der Kunstraub der Nazis, und wie die Alliierten damit umgingen. Basierend auf dem Buch von Robert M. Edsel beschreibt der Film die Jagd nach Kunstschätzen in den letzten Tagen des Zweiten Weltkriegs.

USA u.a. 2013, Regie: George Clooney

 

Panorama

Im Programm des Panoramas werden neue Filme renommierter Regisseure und Regisseurinnen, aber auch Debütfilme und Neuentdeckungen präsentiert. Das Panorama zeigt dieses Jahr 52 Filme. Von diesen Produktionen aus 34 Ländern sind 34 Weltpremieren. Elf Spielfilme sind Erstlingswerke. Eine Eintrittskarte kostet zehn Euro.

GEGENBLENDE empfiehlt:

Another World

„Ich möchte eine andere Welt!“, ruft Bobby Cooper, nachdem er seine Finanzkrise mit den Demonstranten von „Occupy Wall Street“ geteilt hat. Die enormen Schulden des Vaters bedrohen die Familienfarm. Er ist in New York, um eine Lösung zu finden, und in seiner Hoffnung auf eine bessere Welt findet er Verbündete unter den Demonstranten, die am 17. September 2011 einem Internetaufruf folgen und gegen das Finanzsystem der USA aufbegehren. Der Film erzählt, wie es mit den Protagonisten weiterging. Manche werden regelmäßig von der Polizei festgenommen - wegen Fahrrad fahren auf der falschen Seite, Blumen pflücken… Protest und Repression stehen hier im Mittelpunkt. Was ist aus „Occupy“ geworden? Neue Initiativen stehen an…

USA 2014. Regie: Rebecca Chaiklin, Fisher Stevens

Der Anständige

Dies ist der einzige längere Beitrag aus Israel in diesem Jahr: Der Film handelt von den privaten Aufzeichnungen der Nazi-Größe Heinrich Himmler. Wie wurde aus dem nationalistischen Kleinbürgersohn jener enge Gefolgsmann Hitlers, der die Strategien zur Ermordung von Millionen Juden, Homosexuellen, Kommunisten, Sinti und Roma entwarf und exekutierte? Aus welchen Quellen speiste er seine Ideologie? Eine filmische Fleißarbeit über die Anmaßung und Schuld eines Massenmörders. Tobias Moretti und Sophie Rois setzen den brutalen Spinner in Szene.

ISR u.a. 2014, Regie: Vanessa Lapa

The Rice Bomber

In einem öffentlichen Park in Taipeh geht eine Bombe hoch. Aber verletzt wird niemand, stattdessen ergießt sich ein Reisregen über den Rasen. Nach 2002, als Taiwan der Welthandelsorganisation beitrat, wurden die örtlichen Landwirte sogar angewiesen, ihre Felder brach liegen zu lassen und in Seen zu verwandeln. Auch nachdem Dorfkinder ertrinken, schauen die zuständigen Politiker weg. Die Reisbomben sind da eine echte Protestform. Der Film erzählt die wahre Geschichte des Bauern Yang Rumen, der in seiner Heimat zum Helden wurde, für seine Taten im Gefängnis saß und heute einen Biobauernhof betreibt.

Taiwan 2014, Regie: Cho Li

Ice Poison

Gleiches Thema, anderer Film: Ein junger Bauer kann seinen Vater und sich selbst mit den mageren Erträgen aus der Maisernte kaum über Wasser halten. Um sich bei Verwandten, die in Jade-Minen oder auf Opium-Feldern arbeiten, Geld zu leihen, wandern sie von den Bergen ins Dorf. Doch fehlende Papiere, Betrug und Korruption haben auch die Familie verarmen lassen. Schließlich verpfändet der Vater seine Kuh für ein Moped, damit sein Sohn als Taxifahrer ihr Leben finanzieren kann. Ein trostloser Blick aufs heutige China.

Taiwan u.a. 2014, Regie: Midi Z

Concerning Violence

Das ist wohl einer der härtesten Beiträge in diesem Jahr:Göran Hugo Olsson wirft einen Blick auf die afrikanischen Befreiungsbewegungen der sechziger und siebziger Jahre. Auf der Grundlage von Frantz Fanons berühmtem Buch „Die Verdammten dieser Erde“ erzählt der Film von den Aufständen, die zur Entkolonialisierung Afrikas führen sollten. Schlimme Kriegsbilder, nervenzerfetzende Kommentare. Die Sängerin Lauryn Hill haut einem im Off-Kommentar die Texte Fanons um die Ohren.

SWE 2014, Regie: Göran Hugo Olsson

Difret

Hier geht’s um eine Anwältin, die in Addis Abeba ein Netzwerk gegründet hat, das mittellosen Frauen und Kindern kostenlosen Rechtsbeistand gewährt. Als sie den Fall der 14-jährigen Hirut übernimmt, die auf dem Heimweg von der Schule entführt und vergewaltigt wird und auf der Flucht ihren Peiniger erschießt, setzt sie alles auf eine Karte. Hirut, des Mordes angeklagt, droht die Todesstrafe, auch wenn sie in Notwehr gehandelt hat. Dies ist der vierte Spielfilm, der überhaupt in Äthiopien gedreht wurde. Im Zentrum steht die Frage: Was geschieht, wenn mit jahrhundertealten Traditionen gebrochen wird und Glaubenssätze beim Übergang in die Moderne Sandhaufen von gestern sind?

ETH 2013, Regie: Zeresenay Berhane Mehari

Last Hijack

Vor der Küste Somalias trifft sich die Globalisierung. Fischtrawler aus den Industrieländern räubern die Gewässer leer, einheimische Fischer werden Entführer und erpressen Lösegeld. Der Film stellt Mohamed vor, einer der erfahrensten Piraten des Landes. Was sagen die Verlobte, die Eltern und Freunde über seinen recht ungewöhnlichen Beruf? Ein höchst interessanter Film, der die komplexe Situation in einer Mischung aus Animations-, Dokumentar- und Spielfilmelementen schildert.

NL u.a. 2014, Regie: Tommy Pallotta, Femke Wolting

Things People Do

Das Problem gibt’s aber auch anderswo: Um Scanlin steht es schlechter, als er zugibt. Ohne Wissen seiner Familie hat er den Job verloren, weil er es den Kunden der Versicherung bei der Beantragung von Schadenersatz nicht schwer genug gemacht hat. Er kann seine Hypothek nicht zahlen, die Bank zeigt kein Verständnis. Ihm droht die Pleite. Wie viele US-Amerikaner steht er unter gewaltigem finanziellen Druck. Aus purem Überlebensdrang wird Scanlin zum Räuber, verwandelt sich in einen modernen Robin Hood, der seine Opfer genau auswählt, ihnen eine Lektion erteilt - und endlich wieder Geld ins Haus bringt. So stellt sich Amerika den Ausweg aus der Weltwirtschaftskrise vor!

USA 2014, Regie: Saar Klein

Through A Lens Darkly: Black Photographers and the Emergence of a People

Das ist einer der eindrucksvollsten Filme des Festivals. 150 Jahre afroamerikanische Fotografie in 90 Minuten. Künstlerinnen, Sammler und Historikerinnen kommen zu Wort. Unfassbar, was sie zu berichten und zu zeigen haben. Und unfassbar brutal und schön können Bilder sein, deren Anfänge im Jahr 1860(!) liegen.

US 2014, Regie: Thomas Allen Harris

 

Forum

Avantgarde, Experiment, Essay, Langzeitbeobachtungen, politische Reportagen und noch unbekannte Kinovariationen: Das Internationale Forum des Jungen Films soll die risikofreudigste Sektion der Berlinale sein. Dieses Jahr steht angeblich „Grenzen sprengen“ auf dem Programm. Mit darüber hinaus gehenden Ordnungskriterien hält sich Sektionschef Christoph Terhechte vornehm zurück. Gezeigt werden um die 50 Filme. Ein Forum-Ticket kostet neun Euro.

Hier die Empfehlungen:

Casse

Endlich mal was vom Arbeitsplatz: Der Film porträtiert die Arbeiter in einem Schrotthandel. Das Festival teilt mit:Die Regisseurin „entdeckt mit ihrer Kamera die melancholische Schönheit eines Ortes, der selbst dem Untergang geweiht ist. Man wünscht sich, es gäbe für diesen Schrottplatz einen Denkmalschutz.“

F 2013, Regie: Nadège Trebal

A Dream of Iron

Achtung, Arbeit! Regisseur Kelvin Kyung Kun Park porträtiert unterschiedliche Riesenwelten: die Schiffswerft, das Stahlwerk. „Eine schöne neue Welt, in der Arbeiter moderne Industriegüter produzieren, aber die Industrie längst den modernen Arbeiter produziert hat“, sagt er. „Die Arbeit ist ein Gott, dem wir uns unterworfen haben.“

KOR u.a. 2014, Regie: Kelvin Kyung Kun Park

Iranien

Ein Demokratieprojekt: Mehran Tamadon lädt vier Verfechter des Regimes im Iran zu einem Experiment ein und probt mit ihnen die plurale Gesellschaft. Man diskutiert über die Vor- und Nachteile einer säkularen Gesellschaft, über den Schleier, Abtreibung, Pressefreiheit.

F u.a. 2014, Regie: Mehran Tamadon

The Forest is Like the Mountains

Auf einem Hügel am Rand der rumänischen Kreisstadt Sfântu Gheorghe liegt ein Roma-Dorf. Die Nähe zur Stadt ist kaum zu erahnen. Straßen sind unbefestigt, Pferdegespanne dienen als Transportmittel, Felder werden noch mit der Sense bestellt. Die Roma passen sich der Natur an und ernten, was der Boden gerade hergibt. Das Kind Lavinia benennt den Mangel laut und deutlich: „Nie haben Roma Geld!“ Ein Einblick in den Alltag dieser mit Vorurteilen behafteten Bevölkerungsgruppe.

ROM u.a. 2014, Regie: Christiane Schmidt, Didier Guillain

Snowpiercer

Und hier der albernste Film des ganzen Festivals: die Comic-Verfilmung „Snowpiercer“. Sie spielt in einem endzeitlichen Zug, wo sich die Passagiere gegenseitig auffressen. Hinten die ganz Armen, vorn die Stinkereichen. Hätte gut werden können, ist leider komplett affektiert mit reichlich übergeschnappten Darstellungskünsten eigentlich recht renommierter Schauspieler wie John Hurt und Tilda Swinton. Keine Ahnung, wie das schief gehen konnte.

KOR 2013. Regie: Bong Joon-ho

Souvenir

Hallo Genosse: Alfred ist ein reiselustiger Mensch. Er sammelt Länder. Dabei filmt er die Welt - und sich selbst. Alfred ist außerdem SPD-Mitglied und war als Repräsentant der Friedrich-Ebert-Stiftung u.a. in Nepal und Warschau tätig, wo er in den neunziger Jahren Demokratisierungskampagnen durchführte und Schulungsfilme zur Rolle des Geldes in der Marktwirtschaft drehte. Er hat auch einen Schauspielkurs besucht, für eine schwäbische Lokalzeitung von der Berlinale berichtet und sich 2009 als Kandidat im Europawahlkampf engagiert. Nie ohne seine Kamera. Besonders abenteuerlich - das war klar: gelingt ihm der Politikbetrieb.

D 2014. Regie: André Siegers

Sto spiti

Nadja lebt seit vielen Jahren als Haushälterin bei einem wohlhabenden Paar der griechischen Oberschicht und deren Tochter. Sie darf sich als Teil der Familie fühlen. Aber als sie krank wird und der Hausherr im Zuge der Wirtschaftskrise in finanzielle Schwierigkeiten gerät, verliert sie die Stelle. Beide Erschütterungen lässt sie sich nicht anmerken. Erst allmählich werden die Verhältnisse klar: Oben und unten, zu Hause und fremd, mit oder ohne Krankenversicherung.

GR u.a. 2014. Regie: Athanasios Karanikolas

Top Girl oder la déformation professionnelle

Ein Film für den ver.di-Fachbereich 13, Besondere Dienstleistungen: Helena, alleinerziehende Mutter einer elfjährigen Tochter, verdient ihren Lebensunterhalt mit Sexarbeit. Momentaufnahmen einer zeitgenössischen, brüchigen weiblichen Arbeitsbiografie.

D 2014. Regie: Tatjana Turanskyj

 

Generation

In den beiden Wettbewerben „Generation Kplus“ und „Generation 14plus“ wird die Perspektive von Kindern und Jugendlichen eingenommen. Kurz- und Langfilme konkurrieren um die begehrte Auszeichnung, den gläsernen Bären. Kinder- und Jugendkino lohnt sich: Die Karte kostet nur vier Euro.

Hier die Empfehlung für die Sparte Jugend:

Come to My Voice

In einem kurdischen Bergdorf macht sich die kleine Jiyan Sorgen um ihren Vater. Er wurde als vermeintlicher Freischärler von türkischen Polizeikräften gefangen genommen und soll erst wieder freikommen, wenn die Familie seine Waffe abliefert. Das Problem ist nur, dass er nie eine besessen hat. Jiyans Großmutter Berfé bleibt daher nichts anderes übrig, als sich auf die Suche nach einem Gewehr zu begeben. Der Bericht von einem Leben, in dem es beinahe alltäglich geworden ist, Sanktionen und demütigenden Kontrollen ausgesetzt zu sein.

TK 2013. Regie: Hüseyin Karabey

 

NATIVe - A Journey into Indigenious Cinema

In dieser Sonderreihe, die letztes Jahr mit 24 Kurz-, Spiel- und Dokumentarfilmen startete, sollte wegweisendes indigenes Kino der letzten fünf Jahrzehnte präsentiert werden. Tja, dieses Jahr laufen nur zwei. Was ist da bloß passiert? Einer ist der wundervolle

Birdwatchers - Das Land der roten Menschen

Regisseur Marco Bechis begleitet den Kampf brasilianischer Ureinwohner gegen Ausbeutung und Perspektivlosigkeit. Ihr Lebensgebiet, der Regenwald, wird durch Benzinplantagen ersetzt, die Bevölkerung kampiert am Autobahndreieck. Und jetzt auch noch die ganz traurige Nachricht: Ambrósio Vilhalva, der die Rolle des Anführers Nadio grandios spielt, kämpfte Jahrzehnte für die Landrechte seines Volkes. Im Dezember 2013 wurde er ermordet. Die Filmvorführungen im Rahmen von NATIVe sollen an sein Leben und seinen Kampf erinnern.

BRA 2008. Regie: Marco Bechis

 

Hommage

Die Berlinale widmet dieses Jahr ihre Hommage und auch den Goldenen Ehrenbären für das Lebenswerk dem britischen Regisseur und Miterfinder des sozialen Kinos Ken Loach. Es werden zehn Filme gezeigt.

 

Perspektive Deutsches Kino

Der nächste deutsche Film! Die Reihe stellt Newcomer vor. Die Karte kostet neun Euro.

Die Empfehlungen:

Flowers of Freedom

Gegen die Umweltschweinerei: Täglich donnern durch das kirgisische Dorf Barskoon riesige LKWs mit einer tödlichen Fracht: Zyanid, eine hochgiftige Chemikalie, mit deren Hilfe in der nahe gelegenen Kumtor-Mine Gold abgebaut wird. 1998 stürzt ein mit Zyanid beladener LKW in den Fluss des Dorfes, Menschen sterben und Hunderte von Dorfbewohnern erkranken. Sieben Jahre später beginnen mutige Frauen ihren Kampf für die Rechte der Opfer. Erkingül und ihre Mitstreiterinnen gründen eine kleine Umweltorganisation, blockieren die Zufahrt zur Mine und schaffen es schließlich, eine Entschädigung von der kirgisisch-kanadischen Goldmine zu erstreiten. Der Film porträtiert die tapferen Streiterinnen.

D 2014. Regie: Mirjam Leuze

Raumfahrer

Na, das ist ja eine tolle Idee: ein Film über den Gefängnisbus, mit dem Häftlinge durch Berlin gefahren werden. Und wo wird er gezeigt? Genau, in der Justizvollzugsanstalt. Wo man das Fahrzeug wahrscheinlich bestens kennt. Also sowas…

D 2014. Regie: Georg Nonnenmacher

 

Kulinarisches Kino

Einst eine kleine Reihe, ist diese Sektion mittlerweile zum globalisierungskritischen Nahrungsmittelfilmfest geworden. Im Zentrum steht die Frage: Wer produziert was zu welchen Bedingungen? Eine sehr interessante Reihe – und mit

César Chávez

gibt es endlich einen echten Gewerkschaftsfilm. Mit dem Titelhelden zieht die Kamera in den Kampf und folgt ihm bei seinem Einsatz für bessere Lohn- und Lebensbedingungen der Landarbeiter in Kalifornien. Die meisten sind „Braceros“, Saisonarbeiter aus Mexiko, die in den USA wohnen und dort arbeiten dürfen, solange sie in der Landwirtschaft tätig sind. Zusammen mit seiner Mitstreiterin Dolores Huerto gründete Chávez Mitte der sechziger Jahre die Gewerkschaft United Farm Workers. „Si, se puede“ - „Ja, wir können es“, unter diesem Slogan organisieren sich immer mehr Arbeiter, treten in den Streik oder formieren sich in langen Märschen. Chávez’ friedliche Protestbewegung erhält bald Zuspruch im ganzen Land.

USA 2013. Regie: Diego Luna

Food Chains

Und gleich noch mal Landarbeit - diesmal in der Frischkostindustrie. Der Film enthüllt, welchen Preis Menschen dafür zahlen, damit andere mit Lebensmitteln versorgt werden, und wie die Supermärkte darin verstrickt sind.

USA 2014. Regie: Sanjay Rawal

 

Viel Spaß, Kolleginnen und Kollegen. Man sieht sich im Kino!

Alle Termine und Infos für den Kartenkauf unter www.berlinale.de

 

Im Rahmen der Verleihung des Deutschen Schauspielerpreises am 10. Februar 2014 wird die ver.di FilmUnion in Kooperation mit dem Bundesverband der Film- und Fernsehschauspieler (BFFS) erstmalig eine Auszeichnung für ein besonderes Engagement für die Interessen der Filmschaffenden verleihen.

http://filmunion.verdi.de/themen/nachrichten/++co++4d35913a-840c-11e3-b3b7-52540059119e

Die ver.di Filmunion und die BFFS setzen sich für "Gute Arbeit am Set" ein: http://einblick.dgb.de/themen/++co++123e8c9c-8a67-11e3-89ca-52540023ef1a


Nach oben

Leser-Kommentare

Und Ihre Meinung? Diskutieren Sie mit.


Kurzprofil

Jürgen Kiontke
Redakteur des DGB-Jugend-Magazins Soli aktuell und Filmkritiker u.a. für das Amnesty-Journal.
» Zum Kurzprofil

Gewerkschaftlicher Infoservice

Der einblick infoservice liefert jede Woche aktuelle News und Fakten aus DGB und Gewerkschaften.

Zur Webseite www.dgb.de/einblick

@GEGENBLENDE auf Twitter

Zuletzt besuchte Seiten