Deutscher Gewerkschaftsbund

31.07.2014

Die neue Macht der Sportkartelle am Beispiel der NFL

Die NFL hat die Politik fest im Griff. Derweil versuchen die Vereinseigentümer dieses Geschäftsmodell zu exportieren. Auf Seminaren und Konferenzen erklären sie die Philosophie und Strategie der NFL und ermutigen ihre Zuhörer, ihr so profitträchtiges Modell zu kopieren. Diese machtvolle Position der Verbände populärer Sportarten gegenüber der Politik und Zivilgesellschaft lässt sich auch am Protest der brasilianischen Bürgerinnen und Bürger gegen die FIFA ablesen.

Footballer

metaspin / photocase.com

Dieser Sommer gehörte König Fußball. Die ‘Copa’, die Fußballweltmeisterschaft, präsentierte sich vor herrlicher Kulisse in prächtigen Stadien und mit mitreißender Stimmung der Fans. Das Spektakel ließ sich Gastgeber Brasilien eine Menge kosten. An die zehn Milliarden Dollar pumpte das Land in die WM, davon allein über 4 Milliarden Dollar in den Neu- und Umbau von 12 Stadien, um sich und der Welt ein berauschendes Fest zu bereiten. Die Mittel wurden größtenteils von der landeseigenen Entwicklungsbank BNDES gestellt. Das Ziel war, nicht nur der Selecao, der brasilianischen Nationalmannschaft vor dieser Kulisse den Weg zur Weltmeisterschaft zu ebnen. Das Ziel war auch, mit der erfolgreichen Ausrichtung der Fußballweltmeisterschaft zu zeigen, dass das Land inzwischen zur fünftstärksten Wirtschaftsnation der Welt aufgestiegen und ein ernstzunehmender ‘Player’ auf dem internationalen Parkett ist.

Nun ist letztlich Deutschland Weltmeister im historischen Maracana-Stadion geworden und nicht die Selecao. Die Schmach der 7:1 Niederlage im Halbfinale wird den Brasilianern wohl ebenso in Erinnerung bleiben wie den Deutschen der hart erkämpfte 1:0 Sieg gegen entfesselt aufspielende US-Amerikaner. Über 90 Minuten lieferten die von Jürgen Klinsmann betreuten Amerikaner den Deutschen ein Spiel auf Augenhöhe. Ob die Amerikaner deshalb nach vielen erfolglosen Anläufen nun auch eine ernstzunehmende Fußballnation werden, ist alles andere als sicher. Zwar haben Millionen am heimischen Bildschirm die Spiele bestaunt und Zehntausende in den Großstädten beim Public Viewing ihr Team lautstark unterstützt, aber mit dem frühen Ausscheiden aus dem Turnier wird das Land in einigen Wochen wohl wieder ausschließlich der amerikanischen Version des Fußballs, dem American Football, seine volle Aufmerksamkeit widmen.

Wenn Peyton Manning, Quarterback der Denver Broncos, zum Saison-Beginn der National Football League am 4. September wie ein Feldherr seine dickgepolsterten und mit Helmen ausgerüsteten Mannen mit Millimeter genauen Pässen zur Touchdown-Linie der Indianapolis Colts dirigiert und James Develin, der Fullback der New England Patriots, sich mit Wucht und Eleganz durch die massiven Abwehrreihen der Miami Dolphins windet, dann wird die amerikanische Version des Fußball-Sommermärchens schnell zu einer fernen Erinnerung werden. Dann wird König Football das Land wieder bis zum 1. Februar 2015 mit dem Endspiel um den Superbowl in Phoenix ganz in seinen Bann ziehen. Vom Fußball wird dann keine Rede mehr sein.

Möglich macht die fünfmonatige vollständige Monopolisierung der amerikanischen Sportszene eine über Jahrzehnte gewachsene Verwurzelung der National Football League/NFL mit der Politik, der Finanz- und Unterhaltungsindustrie, mit zwei Handvoll Milliardären und Millionen begeisterter Fans, die Sonntag für Sonntag die Stadien der Football-Hochburgen von Seattle bis New York bis zum Bersten füllen. Über 10 Milliarden Dollar setzte die NFL in den fünf Monaten der vergangenen Saison um.

Only in America?

Ist diese unbegrenzte Kommerzialisierung nur in den USA möglich? Inzwischen kann man sagen, dass auch Englands Premier League, Spaniens Primera Division, Italiens Prima Divisione und Deutschlands Bundesliga auf dem besten Weg dorthin sind. Auch dort funktioniert inzwischen das Zu- und Zusammenspiel mit der Politik und der Wirtschaft, der Unterhaltungsindustrie sowie den Medien in einem Maße, dass dessen ‘public goods’-Charakter immer mehr an den Rand gedrängt wird und nur noch bei ausgewählten Benefizveranstaltungen zu erkennen ist.

Dass Football zu einer Ware und damit zu einem Business par excellence geworden ist, zeigt keine Profiliga in den Vereinigten Staaten besser als die National Football League/NFL.

Spielort Minnesota: Der Eigentümer der ‘Minnesota Vikings’, der in Deutschland geborene Filmproduzent Zygmunt Wilf, drohte dem Staat mit seiner Mannschaft in eine andere Stadt zu ziehen, falls dieser nicht 50 Prozent der Kosten für ein von ihm gefordertes neues Stadion, das knapp über 1 Milliarde Dollar kosten sollte, übernehmen würde. Gouverneur und Landesparlament, die sich bereits mit einem 1.1 Milliarden Dollar Budgetdefizit konfrontiert sahen, gaben den Drohungen Wilfs nach und spülten über 500 Millionen Dollar an Steuergelder in die Kasse des ‘Vikings’-Eigentümers.

Spielort Kalifornien: Die York-Familie, mehrfache Milliardäre und zugleich Eigentümer der ‘San Francisco 49er’, ließen die Stadtväter von Santa Clara im Silicon Valley wissen, dass sie mit ihrem Team San Francisco den Rücken kehren würden, wenn die Stadt dem Club ein neues, größtenteils vom Steuerzahler finanziertes Stadion bauen würde. Angesichts knapper öffentlicher Kassen auch im Silicon Valley, wurde der York-Familie zunächst ein öffentlicher Zuschuss von 116 Millionen Dollar gewährt; der Rest des 1,3 Milliarden teuren Stadions sollte über den Kapitalmarkt finanziert werden. Die Konstruktion sah vor, dass die Stadtregierung eine Gesellschaft, die ‘Santa Clara Stadium Authority’, gründen und diese wiederum einen Kredit von 950 Millionen Dollar von einem von Goldman Sachs geführten Konsortium aufnehmen würde. Die Stadt stellte de facto also über 1 Milliarde Dollar zur Verfügung, und nahm den „Steuerzahler“ in Haftung für der Fall, dass die ‘Privatfinanzierung’ scheitern sollte. Und die Gegenleistung der ‘San Francisco 49er’-Eigentümer? 24 Millionen Dollar pro Jahr an Miete wollte die York-Familie für die Nutzung des Stadions über vier Jahrzehnte zahlen. Damit würden sie weniger als 1 Prozent Zinsen für das 40-Jahresdarlehen zahlen. Zur Zeit der Aufnahme des Darlehns verkaufte die Federal Reserve Bank, die Zentralbank der Vereinigten Staaten, Schuldanleihen für 3 Prozent; die Stadtväter von Santa Clara gaben dem NFL-Footballteam also eine bessere Bonität als der Regierung der Vereinigten Staaten von Amerika.

Spielort New Orleans: Nur ein Jahr nachdem der Hurrikan Katrina hunderttausend Menschen obdachlos machte und den Superdome verwüstete, spielten die ‘New Orleans Saints’ dort schon wieder zur Begeisterung des Landes Football. Bezahlt wurde der 1 Milliarde Dollar teure Wiederaufbau des Mercedes-Benz-Superdome primär vom Steuerzahler. Der Eigentümer der ‘New Orleans Saints’, der Milliardär Tom Benson, hatte den Wiederaufbau öffentlichkeitswirksam zur nationalen Pflicht erklärt. Dass Louisiana zu einem der ärmsten Bundesstaaten des Landes gehört, störte weder Benson noch den Gouverneur. Vielmehr wurde dem Eigentümer der „Saints“ versprochen, dass ihm jedes Jahr 6 Millionen Dollar aufs Konto überwiesen werden, wenn er mit der Mannschaft in New Orleans bleibt. Auch diese Zahlung kommt vom Steuerzahler.

Sport, Steuern, Brot und Spiele

Von den 32 NFL-Footballteams haben zwölf allein schon durch öffentliche Subventionen für den Bau ihrer Football-Stadien Profit gemacht; und zwar dadurch, dass sie mehr Geld vom Staat bekommen haben als zum Bau der Stadien erforderlich war. Ob beim amtierenden Superbowl-Champion ‘Seattle Seahawks’ - das dem Microsoft Co-Gründer Paul Allen gehört, einem der reichsten Männer der Welt -, oder bei den ‘Pittsburgh Steelers’: Steuergelder von Hunderten Millionen Dollar für den Bau von Stadien für die durchweg Milliardären gehörenden NFL-Footballmannschaften werden von der Politik ohne Diskussion durchgewunken.

Judith Grant Long, Harvard-Professorin für Stadtplanung, hat errechnet, dass die öffentliche Hand im Durchschnitt 70 Prozent der Kosten für den Neu- oder Umbau aller NFL-Footballstadien trägt, die Städte darüber hinaus in der Regel die zum Betrieb der Stadien erforderliche Energie-, Wasser- und Abwasserinfrastruktur bereit stellen und bezahlen sowie die Wartungs- und Modernisierungskosten der Stadien übernehmen. Nutznießer dieser öffentlichen Investitionen sind jedoch einzig und allein die Privateigentümer der NFL-Teams.

Damit aber nicht genug. Die NFL-Eigentümer, die immer wieder auf das große wirtschaftliche Risiko hinweisen, dass sie mit den Footballmannschaften eingehen, haben es bisher immer wieder geschafft, ihre Steuerverpflichtungen gegen Null zu drücken. Jerry Jones, der Eigentümer der ‘Dallas Cowboys’, dessen Team in einem 1 Milliarden Dollar teuren, futuristischen Stadion spielt, müsste nach den von der Stadt Arlington festgelegten Steuersätzen für sein Stadion jährlich 6 Millionen Dollar zahlen. Er wurde jedoch vom Stadtrat von der Zahlung befreit. Die Stadt hat wiederum Steuersätze für die Bürger erhöht, um das durch die Befreiung entstandene Budgetdefizit auszugleichen.

Der moderne Sportverband – mal Privatunternehmen, mal Rotes Kreuz und manchmal Staatslotterie

Es ist die Aufgabe von Roger Goodell, dem von den 32 NFL-Eigentümern berufenen ‘Commissioner’ der National Football League, dafür zu sorgen, dass deren Geschäftsinteressen nicht nur gewahrt sondern Schritt für Schritt weiter entwickelt werden. Der Wolfgang Niersbach (DFB Präsident) der NFL, der mit seinem 30 Million Dollar Jahresgehalt der weitaus bestbezahlte Sportfunktionär in den Vereinigten Staaten ist, positioniert und dirigiert denn auch seinen Mitarbeiterstab von der fürstlichen Park Avenue in Manhattan entsprechend aggressiv. Nachfragen ob der enormen Höhe des Gehaltes werden von den NFL-Eigentümern mit dem Hinweis auf die marktgängigen Einkommen vergleichbarer Chief Executive Officers abgeschmettert; wobei sie offensichtlich vergessen, dass die NFL kein auf dem freien Markt operierendes Wettbewerbsunternehmen ist.

Mehr spricht dafür, dass die NFL-Eigentümer mit dem enormen Jahreseinkommen die politischen Beziehungen von Roger Goodell eingekauft haben. Denn der Sohn des ehemaligen republikanischen Kongressabgeordneten und Senators von New York kennt sich aus in der Welt der politischen Einflussnahme. Der ehemalige Musterschüler der beiden NFL-Commissioner Pete Rozelle und Paul Tagliabue weiß, was zu tun ist und mit wem die nötigen Vorabsprachen getroffen werden müssen, damit auch in Zukunft das Non-Profit-Unternehmen NFL mit seinem 10 Milliarden Dollar Jahresumsatz steuerbefreit bleibt.

Die Steuerbefreiung einerseits und das Fehlen jeglicher Anti-Trust-Auflagen andererseits wurden den 1960 noch als Duopol operierenden beiden Footballligen - National Football League und American Football League - vom Kongress gewährt. Die Anti-Trust-Befreiung sah u.a. vor, dass auch für den Fall eines Zusammenschlusses der beiden Ligen der daraus entstehenden Monopolliga keinerlei Beschränkungen mit Blick auf die Geschäftspraktiken auferlegt werden würden. Somit durfte die nach dem vollzogenen Merger übrig gebliebene National Football League fortan den gesamten nationalen Spielermarkt dirigieren und die so wichtigen und lukrativen Fernsehrechte mit den großen Medienkonzernen verhandeln. Mitbewerber um das Aushandeln der milliardenschweren Dollar-Deals wurden vom Kongress ausdrücklich ausgeschlossen. Apple und Exxon Mobil können von solch einem ‘playing field’, das nichts weniger ist, als eine Lizenz, Geld zu drucken, nur träumen.

Und die Gegenleistung der Monopolliga für diesen Deal ist das Versprechen, keine Spiele an Freitagen und Samstagen auszutragen; weil an den Tagen traditionsgemäß die Footballmannschaften der High Schools und Universitäten spielen.

Die vom Kongress gewährte Steuerbefreiung gilt ausschließlich für die National Football League, nicht für die Eigentümer der NFL-Mannschaften. Da jedoch diese mit einer einzigen Ausnahme das Eigentum von Privatpersonen sind, und diese laut Gesetz nicht verpflichtet sind, ihre Umsätze, Einkünfte und Transaktionen offenzulegen, kann nicht nachweislich dokumentiert werden, ob und wieviel Einkommenssteuer ‘die Paul Allens der NFL’ an den Fiskus abführen.

Die NFL-Eigentümer geben denn auch keinen Einblick in ihre Steuerzahlungen. Offenherziger sind sie dagegen, wenn es darum geht, allwöchentlich während der Übertragung der Footballspiele mitzuteilen, wie wichtig ihnen die ‘corporate social responsibility’ ist. So wurde ausgewählten Soldateneinheiten zum Veteranenfeiertag für jeden Punkt, der in NFL-Ligaspielen erzielt wurde, ein bestimmter Dollarbetrag von der NFL gestiftet. Zusammen kamen am Ende 440.000 Dollar. Die mit den Übertragungsrechten ausgestatteten Fernsehanstalten waren voll des Lobes über die ‘großzügige’ Spende der NFL. Hätten die Anstalten näher hingeschaut, wäre ihnen aufgefallen, dass dieser Betrag weniger als ein Zehntel von einem Prozent der Summe ausmachte, den die 32-NFL-Eigentümer Jahr für Jahr an öffentlichen Subventionen (etwa 1Milliarde Dollar) erhalten.

Medien und Sport, das Herz der Kulturindustrie

Neben den öffentlichen Subventionen, der gesetzlich verbrieften Anti-Trust- und Steuerbefreiung der NFL, sowie der de facto massiv reduzierten Steuerveranlagung der Eigentümer der Footballmannschaften sind die in die Milliarden gehenden Erlöse aus den mit den Fernsehanstalten ausgehandelten Übertragungsrechten ein weiterer Baustein des überaus erfolgreichen Geschäftsmodels der National Football League. Die terrestrischen Networks CBS (3,73 Milliarden Dollar), NBC (3,6 Milliarden Dollar) und FOX (4,27 Milliarden Dollar) sowie der Kabelsender ESPN (8,8 Milliarden Dollar) haben also insgesamt über 20 Milliarden Dollar für die 2013 ausgelaufene Übertragungsperiode an die NFL überwiesen. Dieser Betrag wird mit Beginn der Anfang September anlaufenden neuen Saison fast verdoppelt. Insgesamt 39,6 Milliarden Dollar werden dann diese Networks der NFL für die Übertragungsrechte bis 2022 zahlen. Dazu kommen noch bis zu 3,5 Milliarden Dollar vom DirectTV-Sender sowie mehr als 1 Milliarde Dollar der Telekom- und Internetunternehmen Verizon, Sprint und Yahoo für bestimmte Übertragungsrechte.

Diese Milliarden, die erspielt werden in primär mit Steuergeldern finanzierten Stadien gehen ausschließlich in die privaten Kassen der NFL und deren Eigentümer. Ebenfalls ausschließlich in ihre Kassen fließt der Erlös aus dem Kartenverkauf, der Getränke- und Speiseumsatz sowie die Parkgebühren. Die Manager, Trainer und Spieler der Mannschaften können damit praktisch aus der Portokasse bezahlt werden. In die Kassen der öffentlichen Hand fließt von den getätigten Investitionen dagegen kein Cent zurück.

Sport und Politik – wer hat wen im Griff?

Man sollte glauben, dass die Zahlung von Milliarden Steuergelder in das Privatunternehmen National Football League und die sich daraus speisende Privatisierung der Gewinne zumindest zu einem populistischen Aufschrei der politischen Klasse führen würde. Immerhin sind aller Orten die öffentlichen Kassen leer und schmerzhafte Investitionskürzungen in den Bereichen Infrastruktur, Bildung, Gesundheit und Arbeit an der Tagesordnung. Nichts dergleichen ist bisher geschehen. Allein schon der Hinweis eines Eigentümers, er überlege sich derzeit, den Standort seiner NFL-Mannschaft zu verlegen, reicht, um jede Überlegung über die Reform der NFL im Keim zu ersticken; obwohl seit 1998 kein NFL-Eigentümer mehr mit seiner Mannschaft in eine andere Stadt gezogen ist.

Gleichwohl ist kaum ein Politiker, egal welcher politischen Couleur, bereit, sich den möglichen Zorn der Footballfans – und Wähler - aufzuhalsen. Im Gegenteil. Die Politiker stehen traditionsgemäß Schlange für Einladungen in die VIP-Logen der Stadien und Gelder für immer teurer werdende Wahlkampagnen. Der letzte Politiker von Rang, der versucht hat, die NFL neu zu ordnen, war der inzwischen verstorbene republikanische und demokratische Senator aus Pennsylvania, Arlen Specter. Er sah in den Eigentümern vor allem arrogante Menschen, die, wenn sie von der Politik und öffentlichen Meinung nicht gestoppt werden, das öffentliche Interesse am Sport gnadenlos zur Maximierung ihrer privaten Interessen instrumentalisieren.

Die NFL hat die Politik fest im Griff, und sie ist nicht bereit, diesen im Interesse einer ausbalancierten Kosten-Nutzen-Verteilung zu lockern. Und der politische Champion, der die NFL und ihre Eigentümer herausfordert und die bestehende Anomalie versucht zu korrigieren, ist nicht in Sicht. Auch das derzeit einzig sichtbare Gegengewicht, die Spielergewerkschaft, ist nicht willens, systemische Änderungen anzustoßen. Sie konzentriert sich ausschließlich darauf, höhere Gehälter für ihre Mitglieder auszuhandeln und die Gesundheitsfürsorge zu verbessern. Es wird wohl eines politischen Erdbebens bedürfen, die Verhältnisse in Amerikas Nationalsport neu zu ordnen.

Derweil versuchen die Eigentümer, mit der ihnen eigenen Selbstverständlichkeit ihr Geschäftsmodell zu exportieren. Auf Seminaren und Konferenzen erklären sie die Philosophie und Strategie ihrer NFL und ermutigen ihre Zuhörer, ihr so profitträchtiges Modell zu kopieren. Eine bessere Investition, so die Botschaft, gibt es nicht. Wie erfolgreich ihre Mission sein wird, wird die Zukunft zeigen.

Die machtvolle Position der nationalen und internationalen Verbände populärer Sportarten gegenüber der Politik und Zivilgesellschaft lässt sich nicht nur am Protest der brasilianischen Bürgerinnen und Bürger gegen die FIFA ablesen, auch an dem jüngst geschehenen Skandal in Deutschland, wo ein Spiel der deutschen Fußballnationalmannschaft vom DFB von Bremen nach Nürnberg verlegt wurde, weil der Bremer Senat den DFB gebeten hat Kosten für den Polizeieinsatz zu übernehmen. Ebenso wie bei der NFL steigen die Einnahmen der FIFA, der Bundesliga und auch des IOC stetig. Ob die öffentlichen Kassen davon profitieren, ist zu bezweifeln. Die NFL ist die reichste Liga der Welt und scheint das Modell für die Zukunft der populären Sportarten zu sein.


Nach oben

Leser-Kommentare

Und Ihre Meinung? Diskutieren Sie mit.